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TV-Tipps zum Wochenende:Trotzdem romantisch

Der Mensch kann es nicht lassen, sich das Leben zur Hölle zu machen. Manchmal kriegt er aber noch die Kurve, sodass sein Weg nicht immer in den Untergang führt.

Von Stefan Fischer

Bad Times at the El Royale

Thriller, Pro Sieben, Sonntag, 22.55 Uhr

Das Kino lässt sich an und für sich als eine voyeuristische Kunst sehen. Drew Goddard spielt mit dieser These ganz extensiv: Heimlicher Hauptdarsteller in diesem Thriller ist die Kulisse, ein Hotel an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada, in dem jeder Spiegel ein Spionspiegel ist. Von der einen Seite lässt sich also einem narzisstischen Voyeurismus frönen, von der anderen dem klassischen klandestinen. Der Zuschauer, der ohnehin ein Voyeur vor der Leinwand ist, findet sich wieder in einer speziellen Art Spiegelkabinett als der Einzige, der nicht entdeckt werden kann. Auch wenn ein Priester und ein Vertreter für Staubsauger zu den Gästen zählen, geht es doch sehr wüst zu. Es herrscht kein Mangel an Waffen in dem Hotel, es gibt eine Geisel und bald Tote. Goddard inszeniert das als spiegelglatte Oberfläche - durch die man aber überall hindurchsieht.

Avatar - Aufbruch nach Pandora

Science Fiction, SAT 1, Samstag, 20.15 Uhr

James Cameron hat vor nun auch schon wieder mehr als einem Jahrzehnt ein Kino-Wunderwerk geschaffen mit dem irrsinnig teuren, die technischen Möglichkeiten ausreizenden Fantasy-Märchen. Elementares steht im Zentrum, der Wunsch nach Liebe, nach Natürlichkeit, nach Frieden. Aber es muss bitter darum gerungen werden, die Menschen tragen ihre Konflikte bis auf den die Sinne berückenden Planeten Pandora. Ihren eigenen haben sie weitgehend zerstört durch ihre Profitgier, doch auf Pandora scheint es eine Lösung für ihre Probleme zu geben. Was aber zu kurz gedacht ist - sie müssen bei sich selbst anfangen, ihrem Denken und Handeln. Dem gegenüber stellt der Romantiker Cameron eine Welt, deren spektakuläre Schauwerte das Falsche im menschlichen Weg umso deutlicher erscheinen lassen.

Adam und Evelyn

Drama, 3SAT, Samstag, 23.15 Uhr

Andreas Goldsteins Film basiert auf einer Geschichte von Ingo Schulze, in der sich private Konflikte verweben mit der Weltgeschichte und biblischen Anklängen. Ein Mann betrügt seine Frau, sie haut ab, er folgt ihr. Und dann, sie sind DDR-Bürger, fällt die Mauer, und das alte Leben ist sowieso zu Ende. Eine Wendegeschichte, wie jetzt viele gezeigt werden rund um den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung. Eine Komödienvariante ist Friendship. Zwei Jungs aus dem Osten, denen plötzlich die Welt offensteht, in die sie naiv hineinstolpern, um herauszufinden, wer sie sind, sein wollen (Sat 1, Sonntag, 23.40 Uhr). Die Wende hat natürlich Vorgeschichten, eine erzählt Michael Herbigs Fluchtabenteuer Ballon (Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr), eine andere Der Turm nach Uwe Tellkamps Saga (RBB, Samstag, 20.15 Uhr; SWR, Samstag, 23.50 Uhr).

Detroit

Drama, ARTE, Sonntag, 20.15 Uhr

Gepanzerte Fahrzeuge, Soldaten der Nationalgarde, Fallschirmjäger - das amerikanische Militär rückt aus, allerdings im Landesinneren. Vielleicht ist es nur folgerichtig, dass eine Frau, die Regisseurin Kathryn Bigelow, zur maßgeblichen cineastischen Chronistin der Militäreinsätze ihres Landes geworden ist, mit Filmen wie The Hurt Locker, Zero Dark Thirty und eben Detroit (2017). Weil es die Männer sind, die diese Einsätze nicht reflektieren, sondern befehligen. Es geht um das Jahr 1967, als das Militär massiv gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, genauer gegen die Afroamerikaner in der Industriestadt. Aber es geht natürlich auch um die Gegenwart, um Trump, um Militärs und Polizisten, die nichts gelernt haben, nichts lernen wollen von dem Aufruhr damals und der rassistisch motivierten Niederschlagung.

Pressebild Arte - "Detroit"

Es sind keine Szenen aus Syrien oder dem Irak, sondern aus den USA. Die Staatsgewalt geht gegen die Schwarzen in der eigenen Bevölkerung los.

(Foto: Arte/Anna Puma)

Utopia

Fantasy, Amazon

Comics würden dumm machen, das war lange eine verbreitete Überzeugung. Dieses amerikanische Remake der gleichnamigen britischen Serie von 2014 tritt zum Gegenbeweis an: Wer Comics richtig zu lesen weiß, jedenfalls einen speziellen, kann vielleicht die Welt retten.

Utopia
(Foto: Elizabeth Morris/Amazon Prime Video)

Sneakerheads

Comedy, Netflix

Auch Männer können süchtig nach Schuhen sein. Devin (Allen Maldonado, l.) ist diesen Spleen eigentlich los. Doch sein Kumpel (Andrew Bachelor) zieht ihn in eine finanziell und auch familiär riskante Nummer um ein paar legendäre Turnschuhe rein.

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(Foto: Courtesy of Netflix)
© SZ vom 26.09.2020
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