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TV-Tipps zum Wochenende:Der Drang nach Freiheit

Lone Ranger

Ein kurioses Duo auf Mördersuche im Wilden Westen: der Komantsche Tonto (Johnny Depp, l.) und John „Lone Ranger“ Reid (Armie Hammer).

(Foto: RTL/Disney/Jerry Bruckheimer)

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Und wenn er das dann getan hat, ist er manchmal ein Held. Und manchmal auch bloß eine traurige, lächerliche Gestalt.

Von Stefan Fischer

Brand

Alte, weiße Männer. Stur und patriarchal. Josef Bierbichler hat solche Typen in den vergangenen Jahren sehr oft gespielt. Das Interessante an all diesen Figuren ist, dass es nicht nur äußere Umstände und gesellschaftliche Veränderungen sind, die sie hinwegfegen aus ihren Positionen, ihren gesellschaftlichen und innerfamiliären Stellungen. Sondern dass unter der Selbstsicherheit dieser Männer immer auch eine Unsicherheit oder eine Weichheit liegt, die sie verletzlich macht und damit zu spannenden Persönlichkeiten. In diesem kleinen Film von Thomas Roth spielt Bierbichler einen Großschriftsteller, dem länger nichts mehr geglückt ist. Doch jetzt hat er ein Thema: Das Sterben seiner an Krebs erkrankten Frau (Erika Deutinger). Bald hat er eine Affäre mit ihrer Pflegerin (Angela Gregovic). Alle drei eint das verzweifelte Streben danach, sich ihrer Lebendigkeit zu versichern.

Thriller, Das Erste, Nacht zu Montag, 0.05 Uhr

Spartacus

Den Begriff Blockbuster hat es noch nicht gegeben, als Stanley Kubrick den Monumentalfilm 1960 realisierte - er löste den kurz nach Drehbeginn gefeuerten Anthony Mann ab. Der Erfolg des Films war riesig, er bescherte Kubrick die finanzielle Unabhängigkeit, die ihm sein weiteres Schaffen ermöglichte. Doch Kubrick wollte auf diese Art nicht arbeiten, er wollte die Kontrolle über seine Projekte, vom Drehbuch bis zum Schnitt. Der prominent besetzte Film über den legendären Sklavenaufstand im antiken Rom mit Kirk Douglas in der Titelrolle war deshalb seine letzte Hollywood-Produktion. Mit Spartacus konkurrieren zwei neuere US-Blockbuster um die Gunst des TV-Publikums: James Camerons Titanic von 1997 (Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr) und Peyton Reeds Superhelden-Action Ant-Man von 2015 (RTL, Sonntag, 20.15 Uhr).

Monumentalfilm, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Selma

Den größten notorischen Lügner des Landes nennt J. Edgar Hoover, der über beinahe vier Jahrzehnte allmächtige FBI-Chef, Martin Luther King. Er legt es darauf an, die Lichtgestalt der Bürgerrechtsbewegung zu diskreditieren, lügt selbst, verbreitet Fake News, so würde man das heute wohl nennen. Hoover und seine Leute sind immer dabei in Ava DuVernays Film, im Hintergrund, als Bedrohung aber durchgehend spürbar. Es geht um den alltäglichen Rassismus der Sechzigerjahre, den Kampf der Schwarzen für ihr Recht, an Wahlen teilnehmen zu dürfen. In Selma / Alabama kulminiert dieser Konflikt, die gegnerischen Parteien belauern sich, fürchten Gewalt der jeweils anderen Seite. Dass Selma bei den Oscar-Nominierungen 2015 weitgehend übergangen worden ist, galt vielen als ein neuerlicher Beleg für den Rassismus in den USA.

Drama, 3 Sat, Samstag, 23 Uhr

Lone Ranger

Ein merkwürdiger Western, ein Meta-Western, wenn man so möchte. Er ist aus der Zeit gefallen, weil die Handlung bis in die 1930er-Jahre hineinreicht. Da ist der Westen der USA längst nicht mehr wild, er ist besiedelt. Und die Abenteuer werden industriell produziert, in Hollywood. Auch davon handelt dieser Film von Gore Verbinski: Wie sich die Unterhaltungsindustrie die Realität einverleibt, wie sie Vergangenes zur Schau stellt. Johnny Depp, der für Verbinski davor schon den irren Sparrow in den Flüchen der Karibik gespielt hatte, ist hier als Indianer zu sehen, der zu einer Jahrmarktsattraktion herabgewürdigt worden ist. Er erzählt einem Jungen von seinem Leben - glaub' es oder nicht! In Rückblenden gibt sich Verbinskis Kino dann gewaltig Mühe, dass man ihm folgt in seine Behauptung des Wilden Westens.

Western, Vox, Samstag, 20.15 Uhr

© SZ vom 04.07.2020
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