TV-Sender: Sixx-Appeal Die Sechs-Bombe des Fernsehens

Im Mai startet Katja Hofem-Best Frauenfernsehen, das nicht mehr wie geplant Fem-TV heißt, sondern Sixx. Es fällt ein Tabu.

Von Christina Maria Berr

Das Spiel mit der Fernbedienung steht für Fernsehmacher und Sender immer wieder ganz oben auf der Agenda. Wer drückt wo und programmiert wie, diese Fragen treiben die Entscheider um. Sie wollen, dass ihre TV-Station einen festen Platz auf dem Gerät bekommt.

Chefin im XX-Format: Katja Hofem-Best

(Foto: Foto: ProSiebenSat1)

So kamen die Kreativen immer wieder auf die Idee, ihren Sender nach den Ziffern auf der Fernbedienung zu benennen. Gesucht wird eine semantische Sexbombe. Klar, Das Erste, das Zweite Deutsche Fernsehen und die Dritten gab es schon lange - aber da existierte noch viel Platz für die Privaten. Und so heißen sie: Sat1, Kabel 1, Das Vierte, Tele Fünf, Pro Sieben und Neun Live. Eine Zahl aber blieb das große Tabu: An die zweideutig ausgesprochene Nummer sechs hat sich niemand rangetraut. Wie würde das auch klingen: Pro Sechs!

Das doppelte XX

Doch nun fällt die Bastion tatsächlich, und zwar im Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG. Heuschreckenartig setzt man sich hier auf die letzten freien Äcker der Landschaft und macht von Anfang Mai an Frauenfernsehen - mit dem Namen Sixx.

Sixx klingt irgendwie eleganter als das deutsche Pendant Sexx und meint doch dasselbe. Senderchefin Katja Hofem-Best verrät: "Das doppelte X steht für das weibliche Chromosom." Was bedeuten soll: Das doppelte X steht für die weiblichen Chromosomen XX, aber das soll ja kein wissenschaftlicher Kanal werden.

XX-Talkqueen Oprah Winfrey

Stattdessen geht es in Sixx um "alles, was Frauen interessiert": Das sind nach Meinung der Macher vor allem US-Serien und Movies mit expliziten Inhalten sowie etwa die Sendung der amerikanischen XX-Talkqueen Oprah Winfrey. Außerdem werden Formate aus den Themengebieten Lifestyle, Musik, Essen und Reisen aufgegriffen.

Ob der Sendername auf weitere Sixx-affine Themen schließen lässt, wird sich zeigen. Wären ästhetische Softpornos für Damen auf der TV-Couch vorstellbar? Also Features von Andrew Blake beispielsweise?

Der neue Digitalsender aus der Münchner Gruppe wendet sich an ein weibliches Zielpublikum: Hausfrau, 40 Jahre, leicht frustriert. Man wolle "von der modernen Großstadt-Single-Frau bis hin zur vielbeschäftigten Hausfrau und Mutter" alle XX-Damen erreichen.

Viel Sechs-Appeal

Die Senderchefin hat übrigens Erfahrung mit einem geschlechtsspezifischen Kanal, sie war einst Leiterin des XY-Senders Dmax. Doch beim Münchner Männerkanal hat sie den XY-Zuschauern den geistigen Transfer vom Fernbedienungsplatz zum Sendernamen offenbar zugetraut.

"Die Wiedererkennung ist uns sehr wichtig", erklärt Senderchefin Katja Hofem-Best: "Über eine Programmierung auf dem sechsten Platz der Fernbedienung würden wir uns natürlich sehr freuen." So wird bald der XY-Gatte der XX-Zuschauerin den sixxistischen Sender bald auf einer Position einrichten, die viel Sechs-Appeal hat.

Eigentlich sollte der Damenkanal Sixx ja Fem-TV heißen - Fem für "feminin". In Norwegen, wo Fem-TV bereits etabliert ist, bedeutet "fem" nun mal Fünf. Aber das hätte hierzulande niemand verstanden - weder XY noch XX.

Und nun warten alle auf ein wirklich sexy Logo.