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Spielfilmtipps:Flammende Herzen

Ich, Daniel Blake

Nachbarschaftshilfe: Daniel (Dave Johns) kämpft für Katie (Hayley Squires) und ihre Kinder (Briana Shann, Dylan McKiernan) gegen Ämterwillkür.

(Foto: Joss Barratt/ZDF)

Schwierige Familiengeschichten - groß erzählt: In den Handreichungen fürs Wochenende fehlen weder Ken Loach noch Jennifer Lawrence.

Ich, Daniel Blake

Sozialdrama, 3sat, Samstag, 20.15 Uhr

Der britische Regisseur Ken Loach, über 80 Jahre alt inzwischen, gibt das Kämpfen nicht auf. Gerade ist Sorry We Missed You in den Kinos angelaufen über einen Mann, der einen Job hat und doch nicht über die Runden kommt. Der Vorgänger Ich, Daniel Blake, prangert das ineffiziente, menschenverachtende Sozialhilfesystem seiner Heimat an. Der Film hat zu politischen Debatten geführt, aber auch auf der filmischen Ebene hat er großen Wert. Anders gelagert ist Winter's Bone, in den USA gibt es nicht einmal theoretisch einen Staat, der sich um die Zurückgebliebenen kümmert. Also nimmt ein Teenager sein Geschick selbst in die Hand (One, Samstag, 21.40 Uhr). Es war der erste große Erfolg für Jennifer Lawrence, die auch in Die Tribute von Panem - Mockingjay (Teil 1) zu sehen ist (Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr).

Grüne Tomaten

Tragikkomödie, Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr

Bald dreißig Jahre ist der Film alt, er erzählt auf mehreren Ebenen von weiblicher Emanzipation und von Empowerment. In Rückblenden reicht die Handlung zurück bis in die 1920er-Jahre - wobei sich etliche Dinge bis in die filmische Gegenwart der US-Präsidentschaft Ronald Reagans nicht geändert haben. Der Rassismus etwa und der Machismo. Aber die Frauen wissen sich zu helfen und zu wehren; oder lernen es. Ein Jahr zuvor, 1990, hat David Lynch Wild at Heart gedreht (RBB, Samstag, 23.30 Uhr). Auch das die Geschichte einer Flucht in ein neues Leben; die Geschichte von Ausweglosigkeit und Gewalt. Lynch hat kein Happy End parat für seine beiden Hauptfiguren, gespielt von Laura Dern und Nicolas Cage. Dern indes hatte just ihren großen Glücksmoment: Für ihre Nebenrolle in Marriage Story gewann sie ihren ersten Oscar.

Paper Moon

Roadmovie, Tele 5, Sonntag, 18.05 Uhr

Eine Zwangsgemeinschaft, die zu einer Zweckgemeinschaft wird: Moses Pray (Ryan O'Neal) lässt sich breitschlagen, die neunjährige Addie (Tatum O'Neal) von Kansas zu Verwandten nach Missouri zu bringen. Das Mädchen ist stur und außerdem nicht auf den Mund gefallen; und bald hilft es dem Mann bei seinen krummen Touren. Der Regisseur Peter Bogdanovich hält die Komik und die Tragik dieser Geschichte in einer reizvollen Balance. Tatum O'Neal ist nach wie vor die jüngste Oscar-Gewinnerin. Eine Zwangsgemeinschaft bilden auch die beiden irischen Profikiller Ray und Ken (Colin Farrell, Brendan Gleeson) in Brügge sehen ... und sterben?. Sie haben einen Job vermasselt, müssen in Belgien untertauchen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Bald stellen sie jedoch fest: Gemeint ist das Gras über ihren Gräbern (Servus TV, Samstag, 22.45 Uhr).

Blade Runner 2049

Science-Fiction, RTL, Sonntag, 20.15 Uhr

In Ridley Scotts Blade Runner behauptet Roy Batty, eine künstliche Kreatur, seine Menschlichkeit - indem er Erinnerungen an Emotionen knüpft, erzählerische Freigeistigkeit beweist und zu einer Geste der Humanität fähig ist. Die Geschichte spielt 2019. Zwei Jahre zuvor hat Denis Villeneuve diese Fortsetzung gedreht, sie schleudert die Saga eine weitere Generation in die Zukunft. Eine neue Modellreihe von Replikanten macht Jagd auf die Vorgänger, die inzwischen als biotechnische Fehlentwicklung angesehen werden. Doch der Samen, den Roy Batty gepflanzt hat, keimt. Auf eindrückliche und kluge Weise kreist der Film um existenzielle Fragen, und um verschwörerische Bedrohungen. Eine solche liegt auch den Thrillern Mercury Puzzle von Harold Becker (ZDF Neo, Samstag, 22.10 Uhr) und Die Dolmetscherin von Sydney Pollack (Super RTL, Samstag, 22.25 Uhr) zugrunde.

© SZ vom 15.02.2020
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