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Serie "Messiah":Wundersam

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Auf dem Weg von einem Wunder zum nächsten: Mehdi Dehbi als Prediger al-Masih.

(Foto: Hiba Judeh/Netflix)

Ein Prediger mit langen Haaren, unterwegs von Wunder zu Wunder: Die Netflix-Serie "Messiah" ist ein Stilmix, aber mitreißend.

Die syrische Hauptstadt Damaskus ist umzingelt von IS-Panzern. Menschen laufen ziellos durch die mit Schutt bedeckten Straßen. Inmitten des Chaos predigt ein Mann seelenruhig: "Gott wird eure Feinde vertreiben". Und wie gefesselt von seinem Blick, hängen mehr und mehr Menschen an seinen Lippen. Die langen braunen Haare wehen im Wind. Gerade als die Panzer die ersten Granaten abschießen, setzt ein Sandsturm ein, der 43 Tage dauern wird. "Die IS-Truppen mussten sich den extremen Wetterbedingungen beugen", melden die Nachrichtensender. Die Menschen in Damaskus glauben an ein Wunder. Ein Wunder, vollbracht von dem unbekannten Prediger, der angibt, Gottes Wort zu verkünden. Sie nennen ihn fortan al-Masih und folgen ihm auf seinem Marsch an die israelische Grenze.

Schon der Trailer der Serie Messiah von Michael Petroni sorgte für Aufregung. Zwei Tage vor der Start bei Netflix gab die Royal Film Commission (RFC) von Jordanien bekannt, dass sie den Streaming-Giganten offiziell aufgefordert hätte, Messiah in ihrem Land nicht auszustrahlen. Die Serie könnte "die Heiligkeit von Religion verletzen".

Messiah folgt dem mysteriösen al-Masih auf seiner Odyssee von einem Wunder zum nächsten. Nachdem er von der israelischen Grenzpolizei verhaftet wird, verschwindet er auf unerklärliche Weise aus seiner Zelle. Er taucht am Tempelberg in Jerusalem wieder auf, wo er die Schusswunde eines Jungen heilt. Nachdem er sich erneut scheinbar in Luft auflöst, erscheint er in Texas inmitten eines Tornados und rettet die Tochter des dortigen Priesters. Dank Instagram, Facebook und Twitter kann sich die frohe Botschaft wie ein Lauffeuer verbreiten. Für seine schnell wachsende Gefolgschaft ist klar: Er ist Gottes Sohn. Skeptiker hingegen halten ihn für einen Scharlatan oder gar einen Terroristen. Letzteres nimmt die CIA-Agentin Eva Geller - tough gespielt von Michelle Monaghan - als Ausgangspunkt für ihre Ermittlungen. Aber auch die Agentin muss sich beim Verhör von al-Masih eingestehen, dass dessen Charisma und rhetorische Schlagkraft eindrucksvoll sind, der belgische Schauspieler Mehdi Dehbi schlägt auch den Zuschauer in seinen Bann.

Der Konflikt zwischen weltlicher Macht in Form der CIA und dem vermeintlich göttlichen Wunderbringer bietet reichlich originellen Serienstoff. Leider wird die unkonventionelle Geschichte auch mithilfe gängiger Erzählmuster eines Agententhrillers erzählt. Da sitzt Geller spät nachts in einem Café vor ihrem Laptop, führt unerlaubt Verhöre und lässt Techniker Details auf Überwachungsvideos vergrößern. Was die Serie aber mitreißend macht, ist die gekonnte Inszenierung des Mystery-Elements. Die Regisseure James McTeigue und Kate Woods spielen ein verwirrendes Spiel mit dem Zuschauer. Wenn al-Masih vor dem Washington Memorial über Wasser geht, glaubt man erst, das Geheimnis sei gelüftet. Doch die Szene ist so gefilmt, dass man das Spektakel nur zwischen Menschenmassen hindurch und aus weiter Ferne sieht, deshalb bleiben Zweifel. Gleich darauf spricht ein Nachrichtensprecher von einem Trick. Beweise tauchen auf, die al-Masih diskreditieren könnten. Und das Rätselraten beginnt von Neuem.

Messiah, auf Netflix