Radiolandschaft Unter Protest

Der größte deutsche Privatradiosender Antenne Bayern will Ego FM übernehmen, einen kleinen Münchner Sender, der junge Musiker und Moderatoren fördert. Eine prominent besetzte Initiative macht dagegen mobil.

Von Susanne Hermanski

Störgeräusche in der Radioszene: Der größte deutsche Privatsender Antenne Bayern, das Mutterschiff der Mainstreammusik, will Ego FM übernehmen. Ego FM versteht sich bislang als Kontrapunkt zum Formatradio, von der Szene despektierlich auch "Dudelradio" genannt, und bezeichnet sich selbst als "Radio für Musikentdecker". Es wirbt damit, seinen Hörern "Musik fernab vom Mainstream" zu bieten, Alternativen zu Dauerschleifenhits. Dafür nutzt es alle Kanäle, UKW-Frequenz, DAB+, Webstreams, eine eigene App - allerdings ohne sich wirtschaftlich selbst zu tragen. Deshalb steht nun ein Anteilspaket zur Disposition.

Für die Unabhängigkeit von Ego FM und für die Radiovielfalt im Allgemeinen setzt sich nun in München eine Initiative mit dem Namen "Volle-Band-Breite" ein. Ihr Gründer ist der Filmproduzent Sven Burgemeister (Tatort, Polizeiruf, Sophie Scholl - Die letzten Tage), prominente Unterstützer sind der Schauspieler Götz Otto und Bryce Dessner, Mitglied der Grammy-prämierten Band The National. Burgemeister sagt, Ego FM sei nicht nur wegen seiner musikalischen Kompetenz und unabhängigen redaktionellen Arbeit wichtig. Der Sender sei auch "der Humus, in dem sich Stars von morgen entwickeln". Damit meine er nicht nur dort vertretene Nachwuchsmusiker, sondern auch Moderatoren, die "abseits volkstümelnder, quotenheischender Folklore" durchs Programm führten.

Wichtig seien solche Sender zudem für die lokale Kreativwirtschaft, weil nur sie auf kleinere Events hinwiesen und in Summe Konzertveranstaltern und Clubs ermöglichten, weniger etablierten Leuten eine Bühne zu bieten. Die Initiative richte sich ausdrücklich nicht gegen große Sendergruppen. "Es muss aber Alternativen geben, damit große Hörerschichten in einer ausgedünnten Radiolandschaft nicht heimatlos werden und dem Medium für immer verloren gehen", heißt es in einem Schreiben der Initiative.

Gegner fürchten, dass junge Musiker und Moderatoren dem Mainstream zum Opfer fallen

Antenne-Bayern-Geschäftsführer Karlheinz Hörhammer sagt, es sei zwar richtig, dass sein Sender Interesse habe, Anteile bisheriger Gesellschafter von Ego FM zu übernehmen - die ohnehin schon in einem komplizierten Geflecht über verschiedene Medienhäuser und Anteilseigner verstrickt sind. Eine Übernahme sei aber nur mit Zustimmung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) möglich, die das private Rundfunkangebot im Freistaat beaufsichtigt. Und die sei an Voraussetzungen gekoppelt: darunter dass der Sender "mit dem gleichen Musik- und Contentschwerpunkt" weitergeführt wird. "Erst in Stufe zwei müsste unter ökonomischen Kriterien die Reichweite des Sender verbessert werden", sagt Hörhammer.

Wie man das schaffen könne, sei nur im Zusammenwirken von Programmmachern und Gesellschaftern zu klären. Dabei würde es "keinesfalls um eine Revolution, sondern nur um eine Evolution" des Produktes gehen. Ängste seien unangebracht, weil Antenne Bayern schon über einen Mainstream-Sender verfügt, interessant sei vielmehr, einen Sender zu bekommen, der andere Zielgruppen erreiche. Schließlich müssten sich die privaten Radios im Wettbewerb um Werbeeinnahmen "als Phalanx gegen die starken Öffentlich-Rechtlichen positionieren".

Im Herbst will die BLM entscheiden. Schon 2017 gab es heftige Diskussionen über die Strategie der Abrundung des Portfolios von Antenne Bayern. Damals musste das Münchner Ausbildungsradio M94.5 von seiner UKW-Frequenz weichen, und die BLM erlaubte Antenne Bayern, an dessen Stelle ihren Spartensender Rock-Antenne zu setzen.