Radio Sommer im Einklang

Die Kulturwellen der ARD legen zusammen und senden acht Wochen lang ihr gemeinsames Programm.

Von Stefan Fischer

Die Kultur kennt kein Sommerloch. Wenn an Theater- und Opernhäusern die reguläre Spielzeit zu Ende ist, beginnt die Festivalsaison. Nun ist es ein großes Vergnügen, nach Salzburg oder Bayreuth einer Aufführung wegen zu reisen. Aber nicht jeder hat auch die Möglichkeit dazu. Ganz unkompliziert kann man aber am Radio als Hörer eine Festival-Tournee antreten: Die Kulturradios der ARD veranstalten einmal mehr für acht Wochen ihr gemeinsames sommerliches Radiofestival.

Jeder Abend und in Ausnahmefällen bereits der späte Nachmittag beginnt mit einer Opern- oder Konzertübertragung. Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele mit einer Lohengrin-Inszenierung, dirigiert von Christian Thielemann und mit Waltraud Meier als Ortrud, wird ebenso live deutschlandweit von neun Kulturwellen ausgestrahlt (25. Juli, 16 Uhr) wie Die Zauberflöte von den Salzburger Festspielen, dirigiert von Constantinos Carydis (4. August, 20 Uhr). Darüber hinaus gibt es Mitschnitte etwa von den Münchner Opernfestspielen, aus Aix-en-Provence, vom Bachfest in Leipzig und vom Schleswig-Holstein Musik Festival.

Joachim Knuth, der Hörfunkdirektor des in diesem Jahr federführenden NDR, möchte gern auf die Vielfalt und hohe Qualität der Eröffnungskonzerte, Opernpremieren und Festivalhöhepunkte hinweisen: "Wer wissen will, wie Europa klingt, sollte das Radio einschalten." Die Rechnung der Sender geht so: Wenn alle nach ihren Kräften etwas dazugeben, ist die Summe beträchtlich. Nicht einmal die großen, vermögenderen Sender wie der WDR oder SWR könnten dieses oder ein ähnliches Programm allein anbieten, von kleinen Anstalten wie dem Saarländischen Rundfunk oder Radio Bremen, aber auch dem HR oder MDR nicht erst zu reden.

Die Kehrseite liegt natürlich auch auf der Hand: Überall läuft sommers in den Abendstunden dasselbe. Wer im Kulturradio Alternativen sucht zu diesem Einheitsangebot, dem bleiben nur Deutschlandfunk Kultur sowie Bayern 2 und BR Klassik. Die spielen weiter eigenes Programm, denn der BR beteiligt sich traditionell nicht mit seinen UKW-Programmen am ARD-Radiofestival, sondern bringt dies stattdessen auf dem DAB+-Sender B5plus. Der Grund, der dafür genannt wird: Die Musikübertragungen würden nicht zur Wortwelle Bayern 2 passen, die Wortsendungen des Festivals nicht zum Profil von BR Klassik. Bei den übrigen ARD-Anstalten sind die Kulturwellen ohnehin Gemischtwarenläden, dort tritt dieses Problem gar nicht erst auf.

Ein Nachteil ist das Radiofestival auch für Autoren und freie Regisseure von Hörspielen und Features: Für diese Programme entfallen während der acht Wochen etliche Sendeplätze. Es geht beim ARD-Radiofestival nicht nur um einen gemeinsamen starken Auftritt, sondern auch um Einsparungen in den knapper werdenden Etats vieler Redaktionen.

Nach der klassischen Musik gibt es werktags erst ein Interview, dann die Lesung des noch nicht veröffentlichten Romans Die Katze und der General von Nino Haratischwili und abschließend Jazz. Samstags läuft Kabarett, sonntags gibt es noch mehr Musik, mal Folk, mal Chansons, mal Latin. Ein Reportageformat wie in den vergangenen Jahren häufig gibt es diesmal nicht.

ARD-Radiofestival, von 14. Juli bis 8. September täglich von 20 Uhr bis Mitternacht bei B5plus, Bremen Zwei, HR 2, MDR Kultur, NDR Kultur, Kulturradio RBB, SR 2, SWR 2 und WDR 3.