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Radio macht Freude:Tortenschlacht

Ein Hörspiel mit eigenem Hotelzimmer, in dem Sänger Smudo vorbeischaut, der frühere "Titanic"-Chef Gsella und Zündfunk-Moderator Ralf Summer. Und man lernt: Anarchie schließt Gemütlichkeit nicht aus.

Von Stefan Fischer

Das Harakiri hat aufgestockt: In der neuen Etage dieses Hotels, das nur als Website existiert, hat der SWR eine Badische Suite eingerichtet. Bewohnt wird sie von den Eignern Stefan Veith und Peter Fey, die darin einen Salon betreiben. Der Fantastische-Vier-Sänger Smudo schaut vorbei, der ehemalige Titanic-Chef Thomas Gsella sowie Zündfunk-Moderator Ralf Summer, der aber sofort zurück nach Bayern geschickt wird. Denn in Veiths und Feys Hörspiel Das Dienen geht weiter, das in der Suite spielt, feiert nun einmal das Badische Urstände - und wird zugleich unentwegt karikiert.

"Ich bin in einer Schwarzwälder Kirschtorte geboren worden", sagt der Musiklabel-Gründer, Partymacher und Satiriker Veith eingangs, "ansonsten habe ich damit nichts zu tun." Wenn es nur so einfach wäre, die Herkunft zu leugnen. Aber kritiklos in der Heimat aufzugehen, geht eben auch nicht. Bleibt nur, als Motto: Wir backen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Provinz kann progressiv sein, und sie darf Spaß machen. Bei Veith und Fey, ebenfalls Musikproduzent, geht Heimatliebe vor allem durch den Magen. Es gibt ein gesungenes Rezept für Kartoffelsalat in dem Hörspiel und überhaupt Loblieder aufs Kulinarische.

Songs, Kalauer, Dada und ernsthafte Überlegungen zur kulturellen Verwurzelung gehen eine fruchtbare, unterhaltsame Verbindung ein. Das Hörspiel selbst wuchert über den Sendeplatz im UKW-Programm hinaus, es fläzt sich auf die wohnliche Website hotelharakiri.de, wo es durch Videos sowie die Nachbarschaft zu weiteren "falschen Männern in falschen Etagen" bereichert wird. Anarchie schließt Gemütlichkeit nicht aus.

Das Dienen geht weiter. Hörstück mit Chartsliste, Videos und Website, SWR 2, 22.03 Uhr. www.hotelharakiri.de

© SZ vom 23.03.2017
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