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Radio:Lyrische Logik

Was tun, wenn man einen Nachruf schreiben muss, aber das Denken der verstorbenen Mathematikerin viel zu lebendig ist? Ein Hörspiel von Dietmar Dath über die Schönheit der Mathematik und die Zulässigkeit von Vereinfachungen.

Maryam Mirzakhani hat als erste Frau die Fields-Medaille erhalten, die renommierteste Auszeichnung für Mathematiker. Das bleibt von der Frau, die 2017 im Alter von 40 Jahren gestorben ist. Aber was bedeutet es schon? Ein Meilenstein in der Wissenschaft, vielleicht. Der jedoch nur wenig besagt über Mirzakhani.

Das ist die eine Ebene, auf der sich Dietmar Daths Hörspiel Maryam. Kein Nachruf für euch bewegt. Die Journalistin Samira Weiss schreibt an einem Buch über Mirzakhani. Als die Nachricht von deren Tod kommt, soll sie einen Nachruf verfassen. Doch Weiss kapituliert vor der Aufgabe, wobei sich das passive Scheitern rasch in ein aktives Verweigern wandelt. Auf die Art, wie ihr Chefredakteur und auch ihre Verlegerin Mirzakhani dargestellt haben wollen, will sie sich nicht einlassen: Das Denken der Frau sei nicht tot, man könne sie also nicht als Tote behandeln.

Das führt unmittelbar auf die zweite Ebene, hinein ins mathematische Denken Mirzakhanis. Das ist einem Laien nicht verständlich - genau darum geht es Weiss: Dass die Dinge nicht vereinfacht werden, bis sie anschaulich genug sind für eine breitere Öffentlichkeit. Der Autor Dath, der Regisseur Henri Hüster und die Musikerin Sophia Kennedy - sie spielt auch die Rolle der Journalistin - machen aus der Wissenschaft Lyrik, eine musikalische Dichtung. Sie führt nicht nur in mathematische, sondern zugleich auch in poetische Räume. Die Logik von Mirzakhanis Erkenntnissen kann kaum jemand begreifen - aber deren Schönheit.

Maryam. Kein Nachruf für euch, Bayern 2, 21 Uhr.