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Radio:Hörstück über eine Trashfilmerin

Radiostück "Satan was a Lady" dreht sich um die Trash-Filmerin Doris Wishman. Deren Filme tragen Titel wie "Ein superheißes Ding" oder "Teuflische Brüste" und brechen mit einigen Konventionen des Filmemachens.

"Ich bin total langweilig", hat die neunzigjährige Doris Wishman in einem Interview kurz vor ihrem Tod 2002 gesagt. Aber dann ist der Amerikanerin doch eine ganze Menge eingefallen über sich und ihre Arbeit als Regisseurin. Ungefähr 30 Filme hat sie von 1960 an realisiert. Obwohl sie eine Schauspielausbildung hat, ist sie nie selbst aufgetreten in ihren Werken, auch die Kamera hat sie nie geführt - "das ist mir zu kompliziert", schnarrte sie. Den Rest allerdings erledigte sie selbst: Drehbuch, Regie, Casting, Schnitt, Produktion.

Wishmans Filme tragen Titel wie Ein superheißes Ding, Ich will dich ohne oder Teuflische Brüste. Sie selbst hat stets von Nudisten-Filmen gesprochen. Vielen gilt sie als Königin des Sexploitation-Kinos. Das lässt sich relativ klar von der Pornografie abgrenzen, aber auch nicht mit Softcore-Erotik vergleichen. Jörg Buttgereit erzählt in seinem Radiostück Satan Was a Lady nun Wishmans Lebensgeschichte und damit zugleich ein kurioses Stück Filmgeschichte.

Es sind weniger Freizügigkeit und die exaltierte Imitation von Sexualität, die das Genre bemerkenswert machen. Es ist vielmehr der von Konventionen des Filmemachens abweichende Stil Wishmans, was sich in der Narration, der Montage und den Bildausschnitten zeigt: Eine stringente Handlung gibt es selten, Figuren sprechen häufig im Off, während stattdessen Einrichtungsgegenstände im Bild sind. Selbst als Erzählerin ihrer eigenen Geschichte ist Wishman unzuverlässig. Was amateurhaft wirkt, ist ein bewusster Umgang mit Trash und entwaffnender Naivität. Unentwegt unterlief Doris Wishman Erwartungen - in diesem Stil inszeniert Buttgereit auch Satan Was a Lady.

Satan Was a Lady, WDR 3, Sonntag, 19.04 Uhr.