Privatfernsehen Keine Schonung während der WM

Trotzdem glänzt bei der einstigen Privat-TV-Abspielstation für die Film-Schinken aus den Kellern des Filmhändlers Leo Kirch nicht nur das Glamouröse: Zu den erfolgreichsten Programmen des Jahres zählen viele alte Bekannte.

Vor allem, was Hollywood-Hits beim Spielfilmsender angeht, gilt offenbar die inoffizielle Devise: "Je oller, desto doller". Ausgerechnet mit der Uraltkomödie Die Glücksritter (USA 1983) distanzierte Kabel eins vor Weihnachten im Quoten-Wettkampf die Senderschwestern Pro Sieben und Sat1: Genau 1,63 Millionen jüngere Fernsehfans hatten sich für die Komödie entschieden, die so einen Zielgruppen-Marktanteil von 13,0 Prozent erzielte.

30 Prozent Eigenproduktionen

Die teuer eingekaufte ran-Fußballpartie zwischen Athletic Bilbao und Werder Bremen auf Sat1 war dagegen chancenlos. Wenige Tage zuvor war Kabel eins mit Der Prinz aus Zamunda (mit Eddie Murphy) ähnliches Quotenglück beschieden. Der Klamaukklassiker aus dem Jahr 1988 erzielte einen Marktanteil von 12,6 Prozent.

Also einfach nur Kellerarchivware ausstrahlen? Lieber nicht, warnt Jürgen Hörner: "Den bewährten Programm-Mix aus Lizenzware und Eigenproduziertem habe ich nicht angefasst - der Anteil von 30 Prozent Eigenproduktionen ist für mich eine gesunde Mischung."

Im Fußball-WM-Jahr 2010 ist wenigstens im Juni und Juli mit verstärktem Einsatz von Bückware aus den Film- und Serienregalen zu rechnen. "Eine Weltmeisterschaft", klagt Planungsexperte Hörner vorsorglich, "schlägt immer noch stärker zu Buche als eine Europameisterschaft - und das ohne Zeitverschiebung. Für uns wird es keinerlei Schonung der Primetime geben."

Dennoch möchte er aus Angst vor den großen Länderspielen keine allzu großen Eingriffe ins vertraute Sendeschema vornehmen. "Wer als Zuschauer einmal ein Spiel langweilig findet, der wird bei Kabel eins das Programm vorfinden, das er dort auch normalerweise erwarten könnte", sagt Hörner. "Ich bin kein Freund von großen Umwälzungen im Ablauf."

Auf ein frühes Ausscheiden des deutschen Teams hofft er insgeheim aber nicht. "Das bringe ich nicht übers Herz."

"Meine Barmittel reichen nicht."

Gut möglich, dass sich Kabel eins mit dem Marktanteilsrekord 2009 selbst Stolpersteine in den Weg gelegt hat. Dennoch dürfte sich der Kabel-eins-Chef im eigenen Haus, wo so viel passiert, vergleichsweise sicher fühlen.

Ob er beim Feierabendbier schon einmal daran gedacht hat, wie es sein Geschäftsführerkollege Torsten Rossmann von N24 plant, zusammen mit reichen Freunden Kabel eins aus der klammen Gruppe freizukaufen? "Ich fürchte, meine Barmittel reichen dafür nicht ganz aus", lacht Hörner.

Und auch von einer Erbfolge-Tradition im Hause, die ehemalige Kabel-eins-Männer wie Bartl und Bolten schnell zu weiteren Aufgaben führte, will er nichts wissen: "Ich bin sehr glücklich bei Kabel eins." Dass es derartige Beförderungsbewegungen geben könnte, davon will Hörner noch nie gehört haben.

"Ich bin seit 1993 im Unternehmen", sagt der Kanel-eins-Chef, "ich kann keine konstanten Wirbelströmungen feststellen."