Privatfernsehen Eine neue runde Kavka

Immerhin erfüllt Hörner - wie so viele in der Münchner Sendergruppe - eine etwas pompös klingende Doppelfunktion als Senior Vice President Programmplanung und ist damit über die übliche Kollegialität hinaus auch für Wohl und Weh von Pro Sieben und Sat1 mitverantwortlich. "Ich verzettele mich nicht in Territorialkämpfen, warum auch?", sagt Hörner - und schiebt brav nach: "Schließlich leben wir ja in einer Familie."

Wichtig ist ihm, seine geliebten Sitcoms gegen hämische Kritiker zu verteidigen ("Arbeitslosen-TV"). In wirtschaftlich schwierigen Zeiten lehne "man sich gerne auch einmal zurück und möchte abschalten", weiß der Kabel-eins-Chef: "Sitcoms sind für mich kein anspruchsloses Fernsehen. Wenn man möchte, kann man sie aber sehr gerne dafür nutzen, in stressigen Stunden den Kopf wieder freizubekommen."

Immerhin verweist er darauf, dass King of Queens mit dem pummeligen Kurierfahrer (Kevin James) auch schon mal zweistellige Marktanteile verzeichnet hat - Anfang 2007. Die Zeiten waren damals noch rosig.

Kavka statt Kerner

Und doch will Kabel eins nicht nur mit Retortenlachern gefallen: Was 2009 begann, soll auch 2010 weitergeführt werden - das Austesten neuer Eigenentwicklungen mit mal mehr Erfolg (Rosins Restaurant), mal sehr wenig Resonanz (Wer wird Wirt?, Der Immobilienfürst).

"2009 haben wir - für Kabel-eins-Verhältnisse - sehr viele neue Formate entwickelt und gestartet", blickt Hörner zurück. Die Ausgangslage mit den Infotainment-Formaten ("eine relative Monokultur, die hauptsächlich auf das Thema Auswandern setzte") war dem neuen Chef zu einseitig. Schon bald machte er sich für etwas unverkrampftere Neuentwicklungen und vor allem die Rückkehr des Entertainments zu Kabel eins stark.

Dabei lag dem einstigen Hobby-Rockmusiker ("Meine Gitarre hat längst Staub angesetzt") vor allem das Musikmagazin Number One am Herzen, für das er den bei MTV bekannt gewordenen Moderator Markus Kavka zu Kabel eins holte - "der ist eine echte Bereicherung für uns".

Kavka statt Kerner - das ist für den kleinen der ProSiebenSat1-Sender die Devise.

Anja Lukaseder im Einsatz

Wenn sich auch nur wenige der bislang sieben Folgen der Musik-Reihe über Senderschnitt aufschwangen, ist Hörner doch von Kavkas Konzept überzeugt. "Wir werden eine neue Staffel produzieren", verspricht er für 2010. Wichtiger als die Quote sind bei Number One die guten Imagewerte - Kabel eins wurde sichtbar wahrgenommen", sagt Hörner.

Bei der Musik wird daher nachgelegt: Seit 11. April geht Anja Lukaseder (ehemals RTL-Jurorin bei Deutschland sucht den Superstar) auf Zuschauerfang. Und der in der Sendergruppe offenbar unvermeidliche Oliver Petszokat (Singing Bee bei Pro Sieben) steig mit in die Bütt. Deutschlands beste Partyband ist die Kabel-eins-Antwort auf DSDS und Das Supertalent - bislang jedoch mit sehr mäßiger Quote.

"Hier treten doch mal Bands an," sagt Hörner, "die ihre Songs nicht einfach so runterreißen, sondern mit dem Herzen dabei sind." Und auch mit dem dritten Juror hat er sich einen echten Musikerwunsch erfüllt: Er gab Steve Blame eine neue Heimat. Der in Deutschland lebende Brite, der MTV einst zu großen Reichweiten verhalf, leistete von 1994 an beim Musiksender Viva Aufbauarbeit. Jetzt fehlt Kabel eins eigentlich nur noch Ray Cokes.

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