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Print:Milliardär kauft sich ein

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Die "Le Monde"-Zentrale in Paris.

(Foto: Miguel Medina/AFP)

Weil Daniel Křetínský 49 Prozent der Anteile an dem Medienkonzern übernimmt, fürchtet "Le Monde" trotz aller Beteuerungen um seine redaktionelle Unabhängigkeit.

Die Redaktion der französischen Tageszeitung Le Monde fürchtet um ihre redaktionelle Unabhängigkeit und steht in einem offenen Konflikt mit einem der Haupteigentümer des Zeitungskonzerns, Matthieu Pigasse. Dabei geht es darum, inwieweit die Redaktion mitentscheiden darf, wem die Zeitung gehört. In einem offenen Brief forderten 460 Redaktionsmitglieder Pigasse dazu auf, die sogenannte Unabhängigkeitsgruppe, der Mitglieder der Redaktion, Angestellte und Leser angehören, mit einem Vetorecht auszustatten. Die Unabhängigkeitsgruppe will, dass größere Veränderungen in der Eigentümerstruktur nicht ohne ihre Zustimmung vorgenommen werden.

Hintergrund des Protestes der Journalisten ist der Einstieg des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský in den Zeitungskonzern. Pigasse hat im Oktober 2018 49 Prozent seiner Aktien an Křetínský verkauft, ohne die Redaktion darüber in Kenntnis zu setzen. 2010 hatte die Redaktion von Le Monde darüber abgestimmt, wer die neuen Eigentümer des Konzerns werden sollten und sich für den Banker Pigasse, Xavier Niel und den inzwischen verstorbenen Pierre Bergé entschieden. Niel hat der Redaktion ihr Vetorecht bereits zugesichert. Pigasse wurde bis Dienstag ein Ultimatum gesetzt, zuzustimmen.

In verschiedenen Interviews sicherte Pigasse am Wochenende zu, dass Křetínský nur die Rolle des Minderheitenaktionärs zukomme. Der Chefredakteur von Le Monde, Jérôme Fenoglio, wirft Pigasse jedoch vor "die Unwahrheit" zu sagen. Die Redaktion befürchtet, dass Křetínský das Recht zugesichert wurde, gleichberechtigter Miteigentümer des Zeitungskonzerns zu werden, zu dem auch der Courrier international und Télérama gehören. "Wenn Křetínský wirklich ein passiver Aktionär bleiben soll, was hindert Matthieu Pigasse dann daran, unsere Übereinkunft zu unterschreiben?", zitiert die Libération den Chefredakteur Fenoglio. Mehr als 500 Prominente, darunter Isabelle Huppert, Edward Snowden und Salman Rushdie unterstützen die Redaktion von Le Monde. Sie schreiben in einem offenen Brief: "Die Freiheit der Presse ist mehr denn je ein kostbares öffentliches Gut."

© SZ vom 17.09.2019
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