bedeckt München 25°
vgwortpixel

Öffentlich-rechtliches Radio:Blanke Nerven

O-Töne weg, Moderatoren weg, Sendungen weg: Der harte Sparkurs beim Deutschlandradio wird schon bald im Radio deutlich zu hören sein. Und er verunsichert die Belegschaft. Wo aber ist das Geld geblieben?

Dem Deutschlandradio wird man die Geldsorgen schon bald recht deutlich anhören. Ab Sommer kommenden Jahres sollen die Nachrichten nicht mehr durch O-Töne ergänzt werden. Der Aktuelle Sport wird wochentags ersatzlos gestrichen, der politische Wochenrückblick Schlaglichter soll mit Studio 9 zusammengelegt werden, einer der zwei Moderatoren soll eingespart werden. Das Kulturangebot Fazit soll um drei Beiträge pro Woche reduziert werden. Und 2019 soll das Kinderprogramm Kakadu werktags eingestellt werden. So lautet der Plan, den Intendant Stefan Raue am Mittwoch bestätigte. Es gebe ein Defizit im Haushalt, bereits in den vergangenen Jahren habe der Sender das Budget für feste Mitarbeiter um rund eine Million Euro überschritten. Der ganze Sender, der aus den Sparten Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova besteht, müsse bis zum Jahresende 600 000 Euro sparen, um am Ende der Gebührenperiode von vier Jahren aus den roten Zahlen zu kommen. Im Gespräch mit Spiegel Online kritisierte Raue die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), die seiner Ansicht nach die kontinuierlichen Tarifsteigerungen "chronisch unter dem, was realistisch ist", kalkuliere.

In der Belegschaft hingegen machen viele eine "grobe finanzielle Fehlkalkulation" für die Sparzwänge verantwortlich. Wie es um die Stimmung in den Funkhäusern in Köln und Berlin bestellt ist, lässt sich in einer Erklärung des Redakteursausschusses und des Personalrats von Deutschlandfunk Kultur nachlesen, aus dem die taz zitiert: "Die Stimmung im Haus ist schlecht, so schlecht wie nie", steht da. Als die Senderchefs die Redaktion über die Reform informieren wollten, hätten sie dem Personalrat und dem Redakteursausschuss den Zutritt zu der Versammlung verwehrt. "Ein Kommunikations-GAU", schreiben die Angestellten. Auch Intendant Raue beschreibt die Situation mit den Worten: "Die Nerven liegen blank."