Nachruf Filmkomponist gestorben

Der für seine "Winnetou"- Melodien verehrte Martin Böttcher ist in der Nacht zum Samstag 91-jährig gestorben. Sein Werk umfasst die Musik zu mehr als 50 Kinofilmen und 300 TV-Produktionen.

Als RTL im Weihnachtsprogramm 2016 Winnetou als sogenanntes TV-Event wiederauferstehen ließ, wurden dafür nicht nur die Geschichten von Karl May heutigen Sehgewohnheiten angepasst, auch die Musik der Originalfilme wurde neu interpretiert und arrangiert. Doch der Respekt vor dem Komponisten der bekannten und beliebten Melodien sprach aus jeder Note der behutsamen Modernisierungen. Entsprechend zufrieden zeigte sich Martin Böttcher auch, als er die Musiker, auf einen Gehstock gestützt, im Studio besuchte. Böttcher, 1927 in Berlin geboren, hat in über 60 Jahren die Musik zu mehr als 50 Kinofilmen und 300 Fernsehproduktionen beigesteuert, doch überstrahlt wurde dies alles von seinen Kompositionen für insgesamt zehn Verfilmungen von Karl-May-Romanen, die Böttcher nach eigenem Bekunden nie gelesen hat. 1962 führte seine Old Shatterhand-Melodie 17 Wochen lang die deutschen Charts an. Schon sein zweites Kinofilmprojekt wurde 1956 ein großer Erfolg: Die Halbstarken mit Horst Buchholz. Danach vertonte Böttcher immer neue Geschichten, später vor allem fürs Fernsehen. 13 kleine Esel mit Hans Albers und Heinz Rühmanns Pater Brown-Filme gehörten ebenso dazu wie Edgar-Wallace-Filme und zuletzt Pfarrer Braun. Böttcher, der seit einem Sturz auf einem Ohr nichts mehr hörte, hatte sich in der Kriegsgefangenschaft das Gitarrenspiel selbst beigebracht, wodurch er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ein Auskommen im Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks fand. Martin Böttcher starb in der Nacht zum Samstag im Alter von 91 Jahren, wie seine Tochter jetzt bestätigte.