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Mediengruppe DuMont:Zum Abschied

Nach langen Verhandlungen legen ein Sozialplan und eine Betriebsvereinbarung nun fest, wie es für jene Mitarbeiter von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" weitergehen soll, die nicht in die neu gegründete Newsroom-Gesellschaft übernommen werden.

Noch einmal 16 Stunden dauerte die finale Verhandlungsrunde, in den frühen Morgenstunden des vergangenen Donnerstag stand dann die Einigung: Ein Sozialplan und eine darüber hinausgehende Betriebsvereinbarung legen nun fest, wie es mit den Mitarbeitern von Berliner Zeitung und Berliner Kurier weitergeht, die nicht in die neu gegründete Newsroom-Gesellschaft übernommen werden. Die Details werden der Belegschaft an diesem Mittwoch von Betriebsräten, Vertretern der Gewerkschaften und der Geschäftsführung mitgeteilt.

Die Mediengruppe DuMont hatte im vergangenen Herbst verkündet, dass die Redaktionen der beiden Zeitungen fusioniert werden. Die Abo-Zeitung und das Boulevardblatt werden nun in einer Gemeinschaftsredaktion produziert. Dabei schrumpft die Zahl der Redaktionsmitglieder um 50 auf 140 Mitarbeiter. Davon arbeiten die 30 Mitarbeiter der Hauptstadt- und die Onlineredaktion bereits im neuen Newsroom. Auf die übrigen Stellen mussten sich die Mitarbeiter neu bewerben. Etwa 450 Bewerbungen sind eingegangen, sowohl von Stammredakteuren als auch von externen Journalisten. Bis Ende März sollen die Stellen vergeben sein. Ein Haustarifvertrag wird derzeit ausgehandelt.

Mitarbeitern, die nicht mit in die neue Gesellschaft wechseln, sollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung Abfindungen angeboten werden, die sich nach der Betriebszugehörigkeit richten und bei 120 000 Euro gedeckelt sind. Hinzu kommen Aufschläge für Kinder und für Schwerbehinderte. Ältere Mitarbeiter, die es besonders schwer haben, einen neuen Job zu finden, soll laut Sozialplan zudem ein Zuschlag von mehreren Tausend Euro gewährt werden. Von März an wird eine Transfergesellschaft eingerichtet, in der Mitarbeiter qualifiziert werden. Höhere Abfindungen winken Mitarbeitern, die freiwillig gehen. Sie erhalten bis zu einem maximalen Gesamtbetrag von 130 000 Euro mehr Geld pro Jahr Betriebszugehörigkeit sowie eine Prämie von bis zu 15 000 Euro.

Ein DuMont-Sprecher betont, mit der Vereinbarung nehme die Mediengruppe ihre soziale Verantwortung wahr, kommentiert aber keine Details. Auch der Betriebsrat zeigt sich mit der Einigung "zufrieden". Die Journalistenunion Berlin bezeichnet den Abschluss als "ordentlich", beklagt aber, dass voraussichtlich etwa 100 bisherige Mitarbeiter ihre Stelle freiwillig oder gezwungenermaßen aufgeben werden.

Mit der Umstrukturierung reagiert DuMont auf den anhaltenden Auflagenschwund der beiden Zeitungen. In besten Zeiten brachte es die Berliner Zeitung auf eine Auflage von mehr als 300 000 Exemplaren, zuletzt fiel sie hart gerechnet auf unter 80 000. Die jährlichen Verluste betrugen zuletzt mehrere Millionen. Alternativ zur Neuausrichtung soll intern nur die Schließung der Berliner Zeitung erwogen worden sein.