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Magazine:Letztes Lied

In den Siebzigerjahren gehörte der "New Musical Express" mit etwa einer Million Lesern pro Woche zu den wichtigsten Musikmagazinen der Welt. Jetzt wird die Printausgabe des Hefts nach 66 Jahren eingestellt - künftig will man die Leser im Netz erreichen.

Von Alexander Menden

Zweieinhalb Jahre hat er noch als Gratisblatt überlebt, aber jetzt ist auch das vorbei: Die Printausgabe des New Musical Express (NME) wird eingestellt. Nach 66 Jahren endet damit die Geschichte des ehemals einflussreichsten britischen Musikmagazins in seiner traditionellen Form. Paul Cheal vom Mutterkonzern Time Inc. UK teilte mit, "ein wöchentliches Gratismagazin sei nicht mehr finanzierbar". Künftig würde "unser ganzer Einsatz und alle Investitionen sich im digitalen Raum auf eine starke Zukunft für diese berühmte Marke konzentrieren". Der Konzern war erst vergangene Woche vom britischen Private-Equity-Unternehmen Epiris gekauft worden.

Zu seinen besten Zeiten in den Siebzigerjahren hatte der NME eine wöchentliche Auflage von 270 000 verkauften Heften, und etwa eine Million Leser. Er galt wie kein anderes Medium als Vermittler zwischen Stars und ihren Fans. In den Neunzigerjahren begann dann ein steiler Verkaufsniedergang, bedingt durch die Smartphone-Lesegewohnheiten des Zielpublikums und die zunehmend direkte Kommunikation zwischen Popstars und ihren Fans über soziale Medien. Der NME wurde 2015 in ein Gratisheft umgewandelt. Danach stieg die offizielle Auflage sogar, auf zuletzt 290 000 Hefte. Doch zugleich stiegen die Druckkosten, während der Anzeigenmarkt kontinuierlich schrumpfte. Mit der Umstellung auf eine reine Online-Ausgabe könne man an "das großartige Wachstum" der Marke anschließen, so NME-Digital-Direktor Keith Walker, indem man "mehr Menschen als je zuvor auf den Geräten erreicht, die sie ganz selbstverständlich nutzen".

© SZ vom 09.03.2018
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