"Lenny Letter" Pyjamaparty für Hipster

Selfie mit Hillary: Lena Dunham mit der Kandidatin Clinton.

(Foto: Lenny Letter)

Ein Newsletter, ein Podcast und ganz viel Politik: Lena Dunham baut ganz ohne Gezicke ihr Medienimperium aus.

Von Anne Philippi

Der "Lenny Letter" ist das Produkt zweier Freundinnen, oder sagen wir besser: befreundeter Geschäftspartnerinnen, und deshalb heißt er auch so. Lena Dunham ("Len") und Jenny Konner ("ny") haben gemeinsam die HBO-Serie Girls kreiert und nun vor einiger Zeit einen feministischen Fun-Newsletter in die Umlaufbahn geschickt. Ein neues Produkt aus dem Hause des Dunham-Medienimperiums, das Lena für die Mitglieder ihrer Generation, gerade von der Ostküste bis zur Westküste aufbaut. Der Medienkonzern Hearst hat bereits einen Vermarktungs-Deal unterschrieben und auch eine recht pompöse Homepage für das Projekt aufgesetzt.

Was also steht im Lenny Letter? Wie man in seinen Zwanzigern im Fitnessstudio am besten trainiert, welche Erinnerungen Feministin Gloria Steinem an die Autofahrten mit Mutter hatte, oder warum ein Kleid von Hillary Clinton aus den Neunzigern als das "Kalte-Schulter-Kleid" aus dem Jahr 1993 in die Geschichte eingeht. Dazu unterhalten sich Emma Stone, Amy Sedaris und Zadie Smith über Sex, Freundschaft, Arbeit und ihre Körper - oder sagen wir, sie chatten. Diese Form tut gut, sie macht die schweren Themen lesbar und ertragbar, es hat nichts von harten Parteiprogrammen, auch wenn es oft sehr politisch ist. Das ist der Ton des Dunham-Imperiums.

Die Generation, die Lenny Letter anspricht, hat derzeit keinen sehr guten Ruf: zu lahm, zu weinerlich

Was die wöchentliche Gesundheits- und Fitnesspost GOOP von Gwyneth Paltrow für die Fortysomethings ist, will der Lenny Letter für jene Generation sein, die derzeit kein besonders gutes Image hat, die der Millennials. Immerhin von Bret Easton Ellis als "Generation Wuss" beschimpft, ein Haufen lahmer Heulsusen, die angeblich schon bei ein paar Beleidigungen auf ihrer Facebook-Timeline in die Knie gehen, heulen und bei ihren Eltern wohnen.

Dunham und Konner hatten jedoch bei Dunhams Buchtour mit Not that kind of Girl durch die USA bemerkt, dass ihre Fans in den Zwanzigern dann eben doch keine Instagram-süchtigen lahmen Enten waren. Im Gegenteil, die Fans hätten Lena und Jenny auf der Buch-Tour ziemlich genau erzählt, welches Leben ihnen so vorschwebt. Eines nämlich - so steht es im Vorwort der beiden Macherinnen - das "connected, empowered, inspired, and fucking funny" sein soll.

Wie geht so ein "fucking funny" Leben? Lenny Letter will daran arbeiten und Regeln für dieses "fucking funny" Leben finden, und erinnert dabei wie eine Meditation an alles, was dafür zu tun ist. Dunham wählte dafür ausgerechnet die altmodische Form des Newsletters, der derzeit generell ein Revival erlebt. Und zeigt, wie ernst Len und ny die Sache nehmen: In der Politik gilt ein guter E-Mail-Verteiler mit wichtigen Namen derzeit mehr, als ein explodierender Twitter-Account. Und das ist es, was die Lena Dunham und Jenny Konner wollen: Politik mit allen Mitteln. Podcasts (Dunham hat am 5. November ihre "Women of the hour"-Serie gestartet, in der sie Hollywood-Frauen zum Feminismus befragt), Stars, Provokation - und übrigens keine Feindschaften zwischen Frauen. Dunham preist in einigen Interviews immer wieder Gwyneth Paltrows Einsatz für den Lenny Letter. Gezicke ist bei Lenny also nicht politisch.

Schon in den ersten Lenny-Tagen schossen die beiden Lennyisten mit dem offenen Brief einer berühmten Freundin den viralen Vogel ab: die hartgesottene Hunger-Games-Prinzessin Jennifer Lawrence schrieb über die extremen Honorarunterschiede zwischen Männern und Frauen in Hollywood, darüber, dass es nicht mehr darum ginge, nett und freundlich in die Gehaltsverhandlungen zu gehen, sondern einfach zu fordern. Ohne Umschweife.

Sie schloss damit einen Art Kreis in der aktuellen Entertainmentwelt, in der fünfzigjährige Schauspielerinnen wie Sandra Bullock ähnlich denken wie Zwanzigjährige. Bullock hatte wohl seit einiger Zeit keine Lust mehr auf die immer gleichen Rollen als scharfzüngige Single-Frau, die im Inneren doch ganz weich ist. Sie fragte ihren Agenten nach Drehbüchern, die für einen Mann geschrieben waren und begann, sich als Hauptdarstellerin einzusetzen. Sie kreiert so derzeit ein Genre, dessen Zuschauer ziemlich sicher Lenny-Leserinnen sind: Frauen, die gerne sehen, wie die Frau eine Männerrolle spielt, und diese in eine Frauenrolle umdefinieren, damit es keine reine Männerrolle mehr ist.

In den Lenny-Interviews herrscht übrigens durchaus eher die Stimmung einer Pyjamaparty und nicht die einer Kongressdebatte. Vor allem, wenn sich Lena Dunham mit jemandem wie Hillary Clinton unterhält. Neben der Zukunft Amerikas war dabei auch das große "Penis-Gate" des Musikers Lenny Kravitz Thema, dessen Hose auf der Bühne geplatzt war. Natürlich war allein die Tatsache, dass Clinton mit Dunham über solche Dinge sprach, für einige Demokraten völlig indiskutabel. Doch mit Hilfe des Lenny Letter wird Hillary in die Hipster-Haushalte von Brooklyn Einzug halten und dort gewinnen. Hier hängt Dunham als eine Art Mutter Gottes über dem Küchentisch und wird den Demokraten behilflich sein.