Krimi-Groteske Schnapsidee

Kennt sich mit Aufräumen aus: der frühere Polizist Roli (Nicolas Ofczarek, rechts).

(Foto: Ingo Pertramer/ZDF)

Ein grandios exzentrischer "Landkrimi" von Regisseur und Autor David Schalko, dem mit dem Film von 2016 erneut ein Meisterwerk österreichischer Abgrundforschung gelungen ist.

Von Christine Dössel

"Nirgends ist Wien so sehr Mulholland Drive wie auf der Höhenstraße nach Einbruch der Dämmerung", schrieb der Wiener Falter einmal über die durch Berghänge führende Aussichtsstraße am westlichen Stadtrand. David Schalkos nach dieser Straße benannter Film macht auch gleich ein wenig auf L.A.-Cop-Thriller mit herzlichen Schmäh-Grüßen an David Lynch. Unten liegt funkelnd das nächtliche Wien, oben patrouillieren zwei falsche Polizisten und kassieren Raser, Liebende, Junkies ab. Ein dreister Fall von Selbstermächtigung und moderner Wegelagerei. "Seit wann ist Pudern strafbar?", will der Student wissen, den sie mit seiner Freundin nackt aus dem Auto ziehen. 50 Euro muss er berappen, mehr hat er nicht. "Das ist gegen die Menschenwürde!" Jo, eh.

Roli (Nicholas Ofczarek) und Ferdi (Raimund Wallisch) waren tatsächlich mal Polizisten, seit Rolis Rausschmiss haben sie sich "selbstständig gemacht". Ein ungleiches Paar, bad cop und good cop, der eine gefährlich lodernd und übergriffig (Ofczarek ist mal wieder zum Fürchten), der andere mit Neigung zum Schlagersängertum und Yoga-Frühsport. Aber beide sind sie große Säufer vor dem Herrn. So haben sie auch schon ziemlich einen sitzen, als sie einen Wagen mit zwei Männern stoppen, die vom Tanzen kommen: Robert Schmatz (David Oberkogler) und Uku, sein Gast aus Afrika (Olivier Mukuta). Befördert durch Rassismus und den sehr bösen Humor von David Schalko, der für Höhenstraße auch das Drehbuch geschrieben hat, eskaliert die Situation aufs Absurdeste. Plötzlich sind die beiden harmlosen Wageninsassen Gefangene in dem Drecksloch, in dem Roli und Ferdi hausen, eingesperrt in einen Keller, Uku sogar in Guantanamo-Häftlingskluft.

Wie wieder rauskommen aus dieser b'soffenen G'schicht? Das grandios exzentrische Drehbuch sieht vor, dass die beiden Fake-Polizisten eine Entführung vortäuschen und Lösegeld erpressen wollen. Während der gutmütige Ferdi also die Gefangenen bewacht, sucht der verschlagene Roli, verkleidet mit Trenchcoat und Schnauzer als "Major Brandner" von der Kripo, Roberts Familie auf, deren afrikanisches "Patenkind" Uku ist. Wie Ofczarek sich als vermeintlicher Ermittler im Achtzigerjahre-Inneneinrichtungsalptraum dieser Familie einnistet, freundlich bewirtet von den Eltern (Klaus Rott, Inge Maux), feindlich beäugt von deren Tochter (Franziska Hackl), ist eine skurrile Kleinbürgermilieubeschreibung ebenso wie eine extrem schwarzhumorige Kriminalgroteske mit vielen ad absurdum geführten Genre-Zitaten. Bis hin zu der Frage, wer trickst wen aus bei der finalen Geldübergabe. Dass es überhaupt etwas zu holen gibt bei Familie Schmatz, gehört zu den kuriosen Wendungen eines Films, der seinen Zuschauern einige Schnippchen schlägt.

David Schalko (M - Eine Stadt sucht einen Mörder) ist mit Höhenstraße, bereits 2016 entstanden für die Reihe Landkrimi, erneut ein Meisterwerk österreichischer Abgrundforschung gelungen. Der Film ist zum Schießen, zum Staunen und auch zum Schlucken, weil politisch absolut unkorrekt.

Landkrimi: Höhenstraße, ZDF, 20.15 Uhr.