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Internetwerbung:Geblockt

Wer Adblock nutzt, sieht weniger Werbung im Browser. Das erschwert die Finanzierung der Inhalte. Das Münchner Landgericht hat die Werbefilter jetzt erlaubt.

Über den Werbeblocker "Adblock Plus" ärgern sich viele Medienunternehmen - und das wird auch weiterhin so bleiben. Das Landgericht München I hat am Mittwoch die Klagen von ProSieben Sat 1 und der zu RTL gehörenden Vermarktungsgesellschaft IP Deutschland abgewiesen. Die Kläger werfen der Kölner Firma Eyeo vor, mit ihrem Blocker in das Geschäft mit werbefinanzierten Internetangeboten einzugreifen: Die Reklame sei quasi ein Deal mit den Nutzern, die nur über diese Finanzierung die Angebote gratis nutzen könnten.

Die 37. Zivilkammer sieht in der kostenlosen Software, die auf Wunsch der jeweiligen Nutzer die in ihren Augen oft nervigen Werbeeinblendungen auf Internetseiten verhindern soll, jedoch keine Behinderung des Wettbewerbs: Der einzelne User entscheide selbstständig, ob er Adblock nutzen wolle. Das Gericht hat auch kein Problem damit, dass Firmen sich zumeist gegen Bezahlung bei Eyeo auf eine "weiße Liste" setzen und so den Blocker umgehen können - vorausgesetzt, ihre Reklame ist textbasiert und ruhig. Die Kläger haben nach Meinung des Gerichts damit ausreichend große Handlungsspielräume, ihr Geschäft mit werbefinanzierten Onlineangeboten weiter zu betreiben.

Der Blocker verstoße auch nicht gegen das Urheberrecht, sagt das Gericht. Die Kläger hatten der Softwarefirma unterstellt, mit ihrem Programm Beihilfe zu widerrechtlichen Handlungen der Konsumenten zu leisten. Nein, urteilte das Gericht: der Konsument verhalte sich mit der Adblock-Nutzung nicht urheberrechtswidrig. Auch die Argumentation über das Kartellrecht überzeugte die Kammer nicht. Denn Adblock Plus habe keine marktbeherrschende Stellung. Das Gericht hat die Klageabweisung bisher nur kurz begründet. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass der Streit, der auch von anderen Klägern noch vor weiteren Gerichten geführt wird, letztlich erst vom Bundesgerichtshof entschieden wird.

© SZ vom 28.05.2015
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