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Hörstück:Wetter als Urgewalt

Donnerschläge, Regen, Vulkanausbruch: Ein Hörstück steigert Naturgeräusche ins Übernatürliche. Und zeigt damit die Wildheit von vermeintlich entzauberten Wetter­phänomenen - eine akustische Apokalypse.

Der Traum, das Wetter beeinflussen zu können, ist so alt und groß wie der Traum vom Fliegen. Lediglich Otfried Preußlers garstige Wetterhexe, die Muhme Rumpumpel, versteht sich auf beides. Aber sonst? Seit Alters her viel Mystik sowie, neuerdings, Forschungen im Geo-Engeneering: Wunderglaube und Wissenschaft, wenn es ums Wettermachen geht.

Der Hörspielautor und Musiker Werner Cee führt nun noch die Kunst ins Feld - ganz martialisch, mit viel Spektakel und Druck. Sein Hörstück When Weather was Wildlife ist zumindest passagenweise eine akustische Apokalypse. Donnerschläge wie gewaltige Detonationen und Regen, der rasiermesserscharf niederprasselt: Cee steigert Naturgeräusche ins Übernatürliche, wie die Schockwellen eines Bebens rauschen seine elektronischen Kompositionen durchs Ohr. Er setzt der Entzauberung des Wetters, das immer besser erklärbar wird, die jahrhundertelang als verstörend empfundene Wildheit von Wetterphänomenen entgegen. Schilderungen eines Vulkanausbruchs mit all seinen klimatischen Folgen von Jón Steingrímsson und Texte von Lord Byron mäandern durch das Stück, auch eine Beschwörung des Ätna. Es geht nicht nur ums Wetter, es geht um Natur- und Erdkräfte. Um den Sound der Atmosphäre.

When Weather was Wildlife, SWR 2, 22.03 Uhr.

© SZ vom 20.02.2020
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