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Hörfunktipps:Innere Dämonen

Humanitäre Helfer, die straffällig werden, eine Nobelpreisträgerin, die zur Komikerin wird, und jede Menge Menschen, die mit dem Wahnsinn der Welt ringen: Ausflüge nach Absurdistan, inmitten unserer Realität.

Von Stefan Fischer

Elfriede Jelinek hat diverse seit 2009 entstandene Texte zu dem sechsteiligen Hörspiel Wirtschaftskomödie gefügt (Regie: Leonhard Koppelmann). Es ist ein Epos über Gier, Geld und Schuld - letztere tragen Kleinanleger genauso wie Bankvorstände, so die systemkritische Argumentation der Autorin. Sie geht dabei von realen Einzelfällen aus, die zu Chiffren einer grundsätzlichen, nicht nur ökonomischen Krise werden (Bayern 2, sonntags, 15 Uhr und DKultur, Nächte zu Montag, 0.05 Uhr). Um Kritik am Kapitalismus als Wegwerfgesellschaft geht es im Feature Schnibbeldisco über eine Frau, die nicht aus Not, sondern Überzeugung noch genießbare Lebensmittel aus Müllcontainern der Supermärkte fischt (NDR Info, Sonntag, 11 Uhr). Ebenfalls eine Frage der Haltung: Maxi Obexers Hörspiel Illegale Helfer handelt von Menschen, die sich für Flüchtlinge und Migranten engagieren und dafür straffällig werden (WDR 3, Samstag, 15.05 Uhr). Die dritte Generation der Täter und Opfer des Holocaust ist fasziniert voneinander: Berlin ist Sehnsuchtsort vieler Israelis wie etwa Doron Eisenberg und Nir Ivenizki (v. l.), die dort als DJs arbeiten und ein Café betreiben (); umgekehrt engagieren sich zahlreiche Deutsche in israelischen Friedensinitiativen. In Neurotisch oder erotisch befasst sich der Zündfunk Generator mit dieser Gemengelage (Bayern 2, Sonntag, 22.05 Uhr). Godehard Weyerer beschreibt einen anderen schwierigen Annäherungsprozess in dem Feature Sinti und Roma in Deutschland (DLF, Freitag, 19.15 Uhr).

Das Hörspiel Die Bibel der Hölle beschreibt eine Vision des Dichters und Malers William Blake (HR 2, Sonntag, 14.05 Uhr). Mit inneren Dämonen gerungen haben auch Hunter S. Thompson (WDR 3, Montag, 23.05 Uhr), Rolf Dieter Brinkmann (Ich schrieb das schnell auf, SWR 2, Sonntag, 14.05 Uhr) und Friedrich Hölderlin (Scardanelli, MDR Figaro, Montag, 22 Uhr).

Berlin ist Sehnsuchtsort für Israelis wie Doron Eisenberg und Nir Ivenizki. Umgekehrt engagieren sich Deutsche in israelischen Friedensinitiativen.

(Foto: Regina Schmeken)
© SZ vom 11.04.2015
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