bedeckt München 20°
vgwortpixel

"Guido":Er liebt jetzt zurück

Ing. Hermann Fritz Graebe, Righteous Among the Nations, with group of survivors who worked in "Jung" in Poltava during the occupation.

Beste Freundin seit der Shopping Queen: Guido mit Heft Guido.

(Foto: G + J)

Nach Barbara Schöneberger und Joko Winterscheidt hat auch Modedesigner Guido Maria Kretschmer sein eigenes Magazin beim Verlag Gruner + Jahr herausgebracht.

Natürlich verbieten sich Namenswitze, aber gedanklich durchspielen darf man vielleicht doch, wie sich das anhört, wenn man sich im gut besuchten Pressehandel, sagen wir am Flughafen, nicht nach der frischen Vogue oder dem W Magazin erkundigt, sondern flott hereinfragt: "Ist die neue Guido schon da?"

Damit wäre auch schon das Alleinstellungsmerkmal der neuen Marke von Gruner + Jahr beschrieben. So heißt ein Magazin einfach nicht, es sei denn, es will dezidiert Abstand halten zum Gros der Hochglanzhefte, die von einer gewissen Entrücktheit leben. Für die normal glamouröse Frau gibt es Guido Maria Kretschmer. Der Modedesigner und Shopping Queen-Gastgeber aus dem Münsterland ist Pate des Magazins, das fortan monatlich erscheint und 3,80 Euro kostet. Die Losung steht über dem Editorial: "Du bist schön, so wie du bist."

Alle lieben Guido. Und Guido liebt hemmungslos zurück. Im Editorial schreibt Kretschmer, dass er das Heft Liebe nennen wollte, sich aber für Guido entschieden hat, wobei er bedauert, dass sein Vorname nicht einmal mehr in Italien populär ist. Die Leser werden mit "Ihr Lieben" angesprochen, und die Macherin Brigitte Huber (die bei G+J auch Brigitte verantwortet) erklärt: "Es ist ein Magazin, das die Frauen liebt." Guido reiht sich ein in die Titel von G+J wie Barbara und JWD. Die Botschaft ist bei allen: Ich bin okay, du bist okay, zusammen sind wir eine dufte Clique. In dem Trio gibt Barbara Schöneberger den lässigen Buddy, Joko Winterscheidt den lustigen Typen - und Guido Maria Kretschmer die beste Freundin. Dass sie diese Rollen, soweit man das beurteilen kann, auch im echten Leben einnehmen, ist die Stärke der Hefte.

Guido setzt einen positiven Ton. Man liest von einer Frau, die querschnittsgelähmt war und bei ihrer Hochzeit tanzt. Oder von einem Feriencamp, in dem das Geschlecht der Kinder keine Rolle spielt. Bei Modestrecken gibt es keine Teenager, sondern reifere Frauen, auch mit Rundungen.

Das Magazin ist keine Verlängerung der Shopping Queen, aber im Wind des Erfolgs des Formats bei Vox will man doch segeln. Es werden Orte vorgestellt, an denen der Van mit Frauen auf der Suche nach Stil durch die Gegend braust, diesmal: Hannover. Der "Friseur des Monats" im Heft ist einer, der bei Vox Haare plättet. Kretschmer gibt Stylingtipps und wie man den Kleiderschrank sortiert, Standards im TV. Irgendwann denkt man: Jetzt ist auch mal gut.

Der Ton im Heft ist plauderig, manchmal sehr, aber immer ist er empathisch. Auch ist Guido Maria Kretschmer ein humorbegabter Mensch. Das merkt man im TV oder in seinen Büchern, die lyrische Titel tragen wie "Eine Bluse macht noch keinen Sommer". In Guido setzt sich das fort. Etwa in seinem schönen Kommentar zu Umkleiden: "Das Licht in Kabinen zaubert auf jeden noch so rosigen Naturteint eine Gallenstörung."