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Gewerkschaft in der Krise:Kollektives Aus

Nach den Stasi-Vorwürfen gegen führende Mitglieder ist der Landesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands in Sachsen-Anhalt geschlossen zurückgetreten. Neu gewählt wird der Vorstand im Oktober.

Nach Berichten über eine mögliche Stasi-Vergangenheit führender Mitglieder ist der gesamte Landesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) in Sachsen-Anhalt zurückgetreten. Das sei Ergebnis einer Sondersitzung des Vorstandes am Dienstagabend in Halle, sagte der bisherige Landesvorsitzende Uwe Gajowski. Für Oktober sei ein außerordentlicher Verbandstag mit Neuwahlen einberufen worden. Mit dem Rücktritt des Vorstands reagierte der DJV-Landesverband auf einen Bericht der Bild-Zeitung über eine frühere Mitarbeit dreier Mitglieder beim Ministerium für Staatssicherheit in der ehemaligen DDR. Der Zeitung zufolge gehören zwei dieser Mitglieder dem nun zurückgetretenen Landesvorstand an. Eine Neuwahl wäre auch dann erforderlich gewesen, hätten nur jene Vorstände ihr Amt niedergelegt, die als Inoffizielle Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet haben sollen. "Wir wären in diesem Falle nicht mehr beschlussfähig gewesen", sagte Gajowski der Mitteldeutschen Zeitung.

Die Bild-Zeitung berichtete weiterhin, dass ein Antrag auf Überprüfung des Vorstandes beim letzten Verbandstag im Jahr 2013 durch die Mehrheit der Teilnehmer abgelehnt worden war. Uwe Gajowski sagte, der Tenor der Argumentation sei seinerzeit gewesen, dass selbst der öffentliche Dienst mehr als 20 Jahre nach der Wende seine Mitarbeiter nicht mehr überprüfen lasse. Im Landesverband Sachsen-Anhalt des Deutschen Journalistenverbandes sind aktuell etwa 530 Journalisten gewerkschaftlich organisiert.

© SZ vom 10.09.2015 / SZ
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