Digitalradio: DAB+:Hörer gesucht

Lange Zeit war das digitale Radio technisch zu mangelhaft, nun gehen die Macher mit einem verbesserten Standard an den Start. Die Erfolgsprognosen sind jedoch vage.

Stefan Fischer

Manfred Breuckmann ist ein Fußball-Kommentator alter Schule. Seine Stimme prägte die Radioberichterstattung des Westdeutschen Rundfunks über Jahrzehnte. Nun wird der 60-Jährige für das Radio der Zukunft tätig werden. Breuckmann soll beim Digitalradiosender 90elf Bundesliga-Spiele kommentieren. 90elf ist eines von 14 Programmen, die von diesem Dienstag an bundesweit im neuen digitalen Radio DAB+ zu empfangen sind. DAB+ soll langfristig zum Radiostandard werden.

Start fuer Digitalradio - Bis zu 23 Programm empfangbar

Lange Zeit technisch zu mangelhaft: Der verbesserte Standard DAB+ bedeutet für viele die letzte Chance für das Digitalradio in Deutschland.

(Foto: dapd)

Das Digitalradio hat in Deutschland bereits eine leidvolle Geschichte hinter sich: Was sich in der Theorie bestechend anhört - mehr Sender als bisher, in einer besseren Klangqualität mit besseren Empfangsmöglichkeiten und zusätzlichen Serviceangeboten -, konnte sich jahrelang nicht gegen die bewährte, analoge UKW-Technik durchsetzen. Das so fortschrittliche Digitalradio war sehr lange technisch mangelhaft, überzeugte auch durch seine Inhalte nicht, die Empfangsgeräte waren zu teuer. Der neue, verbesserte Standard DAB+, so sehen es die meisten Beteiligten, ist die letzte Chance für das Digitalradio in Deutschland.

Politik und öffentlich-rechtlicher Rundfunk wollen diese Chance jetzt nutzen. Ziel ist die Abschaltung aller analogen Sendeanlagen, die für die Sender im Vergleich zur Digitaltechnik teurer sind. Das wäre das Ende von UKW. Im Fernsehen ist die Digitalisierung weitgehend vollzogen. Ein Termin für die Umstellung des Radiostandards wurde aber nicht gesetzt. In den kommenden zehn Jahren wird es also trotz des neuen Digitalradios weiter UKW-Sender geben.

Vor allem kommerzielle Radioveranstalter zögern, sich auf DAB+ einzulassen. Sie scheuen das wirtschaftliche Risiko. Sie müssen jetzt zwei Vertriebswege finanzieren. Doch gegenwärtig ist kaum absehbar, ob sich Hörer und Werbekunden in die digitale Zukunft so überführen lassen, dass keine Verluste entstehen. Die Prognosen auf Werbe-Einnahmen beim Digitalradio sind vage.

Neue öffentlich-rechtliche Sender wird es im Digitalangebot zunächst nicht geben. Bestehende Digitalkanäle der mit Gebühren ausgestatteten ARD wie zum Beispiel On3-Radio, der Jugendsender des Bayerischen Rundfunks, setzen auf einen Hörerzuwachs, da nur wenige den alten Digitalstandard empfangen konnten. ARD und Deutschlandradio werden mit ihren eingeführten Programmen im DAB+ vertreten sein: das Deutschlandradio mit den Wellen DRadio Kultur, Deutschlandfunk und DRadio Wissen bundesweit, die ARD-Anstalten bis spätesten Ende des Jahres in ihren jeweiligen Sendegebieten.

Das Digitalradio soll vor allem private Anbieter fördern, die im ausgereizten UKW-Spektrum in der Vergangenheit keine Frequenzen bekamen. Das gilt für das Fußballradio 90elf, den Musiksender Radio Absolut oder das christliche Radio Horeb. 50 Millionen Menschen können derzeit digitales Radio in Deutschland empfangen, vornehmlich in Ballungsräumen und entlang der Hauptverkehrswege. Ob eine flächendeckende Versorgung zu erreichen ist, wird sehr davon abhängen, wie viele der neuen digitalen Radiogeräte (die auch UKW-Sender empfangen können) abgenommen werden.

So ein Gerät kostet mindestens 50 Euro, 15 Millionen verkaufte Empfänger wären nach Einschätzung der meisten Beteiligten notwendig, damit DAB+ sich durchsetzt. Die Hoffnung ruht nun auf dem kommenden Weihnachtsgeschäft, das Lockvögel wie Manfred Breuckmann ankurbeln sollen.

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