Degeto-Krimi Frohe Austern!

Die ARD lässt Deutsche mal wieder Franzosen spielen - in der Bretagne: großartige Schauspieler, super Kulisse.

Von Claudia Tieschky

Wie kam es eigentlich zu der Macke des deutschen Fernsehens, gewisse Filme in Cornwall, Venedig, Athen oder Urbino spielen zu lassen und deutsche Darsteller als Einheimische auszugeben? Vielleicht waren in den betreffenden Ländern einfach nie genügend Schauspieler frei, wenn einer bei der ARD oder dem ZDF rief: Kinder, die Hauptabteilung Nette Filme macht heute einen Ausflug. Könnte ja sein. Oder es hat damit zu tun, dass das deutsche Fernsehen eben nur ganz bei sich ist, wenn es selbst am Ende der Welt so ist wie immer.

Natürlich sollte man erwähnen, dass nicht mehr alle Sendungen mit landestypisch verbrämten deutschen Darstellern nette Filme sind, Mordkommission Istanbul oder der Tel-Aviv-Krimi gehören nicht so ins Wohlfühl-Genre. Ganz und gar leichtes und leicht beklopptes öffentlich-rechtliche Ausflugsfernsehen ist dagegen Bretonischer Stolz, der Film, den die ARD jetzt zeigt. Der spielt, man ahnt es, in Frankreich und heißt Krimi, denn es geht - auf jeden Fall um viel, Eifersucht, keltische Bräuche, Austern natürlich, und noch um was anderes, bevor alles eine neue Wendung nimmt. Gedreht wurde unter anderem in Concarneau, Riec-sur-Bélon und Port Manec'h, super Kulisse.

Dupins staubgraue deutsche Kollegen könnten einem ARD-Schmunzelkrimi entlehnt sein

Nur lebt die Sache, wenn überhaupt, von so einer Art Traumschiff-Charme, den diese Filme manchmal herzaubern: Großartige Schauspieler werden da oft für Gastrollen engagiert und sagen in opulent ausgestatteten Häusern und sehr guten Anzügen lustvoll die absurdesten Sätze. Harald Schmidt war mal ein Lord bei Rosamunde Pilcher im Cornwall des ZDF. In der ARD-Bretagne ist Udo Samel zwar nur Präfekt, er könnte aber auch ein Baguette so spielen, dass man es sehen will. Die wunderbare Angela Winkler hat die Rolle einer giftkundigen Schauspielerin, die sicher ist, am Tatort ein Dieselauto gehört zu haben. Denn, Augenaufschlag und durch - "ich habe das absolute Gehör." Manchmal kommt einem der Gedanke, das deutsche Ausflugsfernsehen könnte heimlich als Komödie gemeint sein.

Der Rest ist schnell gesagt: Bretonischer Stolz ist die neueste Folge einer Reihe nach Romanen eines gewissen Jean-Luc Bannalec, was nur ein Pseudonym sein kann. Der Kommissar heißt Dupin und wird gespielt von dem samtäugigen Schweizer Pasquale Aleardi. Seine staubgrauen deutschen Kollegen im Bretagne-Büro könnten einem Schmunzelkrimi der ARD entlehnt sein, Mord mit Aussicht vielleicht oder Hubert und Staller, und falls das russische Fernsehen demnächst auf die Idee kommt, einen Starnberg-Krimi mit lauter russischen Darstellern als Bewohner von Tutzing oder Ambach zu drehen, soll niemand sagen, das geht doch nicht.

Bretonischer Stolz, ARD, 20. 15 Uhr. Bretonische Flut, 9. März, 20.15 Uhr.