Mini-Serie über IRA Nach dem Knall

Unter Schock: Nach dem IRA-Bombenanschlag von Manchester stützt Daniel (Philip Glenister) Joanne (Liz White).

(Foto: Arte)

Die Druckwelle reißt alle von den Beinen: Arte zeigt die britische Miniserie "Zwei Familien, ein Leben". Darin verändert ein Terroranschlag das Leben zweier Familien.

Von Benedikt Frank

Es ist der 15. Juni 1996. Die nordirische Terrorgruppe IRA zündet im Stadtzentrum Manchesters eine 1,5-Tonnen-Bombe. Daniel Cotton (Philip Glenister) - unauffällig, zwei Kinder, glücklich verheiratet - führt zusammen mit seinem Adoptivvater (Bernard Hill) eine Süßigkeitenfabrik. In einem Lokal sind sie zum Krisengespräch mit Daniels Bruder Robbo (Steven Mackintosh) verabredet, der mal wieder Geldprobleme hat. Doch bevor es dazu kommt, reißt sie die Druckwelle von den Beinen.

Den Anschlag überstehen die drei unverletzt, so wie auch Joanne (Liz White), eine alleinerziehende Mutter aus dem Arbeiterviertel. Weniger die Bombe als das Zusammentreffen mit Joanne bringt Daniels Leben durcheinander.

In der dreiteiligen Miniserie der BBC From there to here, die Arte unter dem Titel Zwei Familien, ein Leben an einem Abend zeigt, ist der Terror zwar Auslöser für die folgenden Ereignisse, aber nicht Hauptthema. Die Serie handelt von den vier Jahren danach, von der Zeit des Wiederaufbaus in der Stadt nach der Explosion. Vier Jahre des politischen Wandels, in dem sich auch das Leben im Kleinen verändert. Der gesellschaftliche Hintergrund ist dabei stets präsent, aber nicht aufdringlich. Tony Blairs New Labour löst nach 18 Jahren die Konservativen ab, England richtet die Fußball-Europameisterschaft aus. Die Euphorie in Sport und Politik schlägt in Ernüchterung um. Indie-Rock von I Am Kloot liefert dazu den stimmigen Soundtrack.

Klassengegensätze, Lüge und Wahrheit, Familienclan und Patchworkfamilie

"Es gibt drei große Schlachten, die unser Leben formen", spricht Daniel Cotton zum Vorspann aus dem Off, "Natur gegen Umwelt, freier Wille gegen das Schicksal und City gegen United." Solche Gegensätze ringen in den drei inhaltlich sehr unterschiedlichen Episoden stets miteinander.

Es geht um die Rolle Daniels als Adoptivsohn und Vater, um Loyalität zur Familie, darum vor dem erstarrten Alltag in ein Doppelleben zu fliehen. Und um den individuellen Lebensweg: Ergibt dieser sich aus biologischer Veranlagung, aus persönlicher Verantwortung, oder ist er das Ergebnis von Ereignissen, auf die der Einzelne keinen Einfluss hat? Klassengegensätze stehen sich gegenüber, Lüge und Wahrheit, Familienclan und Patchworkfamilie.

Wie schon in seiner erfolgreichen BBC-Serie Broadchurch erzählt Regisseur James Strong die Geschichte sehr einfühlsam. Mal spannend, mal mit der nötigen Ruhe. Er porträtiert glaubhaft einen Ausschnitt Englands zu einer ganz bestimmten Zeit, an einem ganz bestimmten Ort, ohne dabei Sozialkitsch zu produzieren. Dazu gehört auch, dass einer von Joannes Söhnen behindert sein darf, ohne dass daraus ein zentrales Thema gemacht werden muss, wie sonst so oft im Fernsehen.

Zwei Familien, ein Leben, Arte, Donnerstag, 20.15 Uhr.