Barbara Schöneberger Schon morgens ganz schön gaga

Barbara Schöneberger: eine Frau mit Waffel.

(Foto: Georg Wendt/dpa)

Eine Woche mit Barbaradio: Barbara Schöneberger vermarktet sich auch im Hörfunk selbst - ohne dabei an Klasse einzubüßen. Ihr Name ist inzwischen als Marke beim Patentamt eingetragen.

Von Claudia Fromme

Eine Woche im Februar: Barbara Schöneberger diskutiert im Radio Fragen, die sich die einen nie zu fragen wagten und die anderen nie stellen würden. "Wie finden wir es eigentlich, Kollegen oder flüchtige Bekannte auf ihren Körpergeruch hinzuweisen?", fragt sie ihre Hörerinnen und Hörer. Ob Männer in Beziehungen Pornos schauen, will sie von ihrem Kolumnisten Micky Beisenherz wissen, der unumwunden den Umstand bestätigt. Sie sagt Lieder an, meldet zuverlässig, dass es kurz vor halb zwei, drei, vier ist und schmettert heiter am frühen Morgen: "Lasst uns zusammen durch diesen wunderschönen Tag gehen!"

So klingen viele Gute-Laune-Sender, es läuft das Beste der 80er und 90er und von heute, man wird nicht über Gebühr mit Wortbeiträgen behelligt, eine halbe Minute News zur vollen Stunde, das Wetter.

Das Bemerkenswerteste an Barbaradio ist, dass Barbara Schöneberger es schafft, brutal präsent zu sein, ohne im Studio zu sitzen. Wer das Webradio hört, das 24 Stunden sendet, vernimmt bei Wortbeiträgen zu 99 Prozent Schönebergers Stimme. Wer die Website aufruft, sieht ihr Gesicht, es werden on air Karten für ihre Tour verlost. Und wenn Barbara Schöneberger sagt: "Wir sitzen hier und warten auf eure Diskussionsanregungen", wirkt es tatsächlich einen Moment lang so, als säße sie mit einem Pott Kaffee vor sich im Studio.

Tut sie nicht. Die Beiträge sind eingesprochen und werden computergesteuert zur rechten Zeit abgefahren. Das ist nicht ungewöhnlich für Internetsender. Da gibt es oft wenig Ressourcen, aber viel Zeit zu füllen, manche verstehen sich auch nur als Nebenbeimusiksender für Friseursalons oder Hotelfrühstücksräume, geredet wird selten. Manches trifft auch auf Barbaradio zu, vieles aber nicht, denn es ist ungewöhnlich, dass ein Konservensender ohne Morningshow und allem Pipapo es vermag, so eine Hörernähe herzustellen, obwohl nie direkt mit Hörern gesprochen wird. Sie goutieren es trotzdem, und nicht nur die Frauen Mitte 40, die der Sender vor dem Start im Oktober im Blick hatte. Auf dessen Facebookseite loben längst Frauen und Männer jedweden Alters ihn feurig.

Wie eng dürfen Dessous sein? Wie ist noch mal das Procedere bei einer Nasenenthaarung?

Wer dachte, dass das Magazin Barbara von Gruner+Jahr den Zenit der Selbstvermarktung von Barbara Schöneberger markiert, hat noch nie Barbaradio gehört, die totale One-Woman-Show. Das ist nicht negativ gemeint, sondern eher staunend, wie konsequent sich ein Mensch als Marke inszenieren kann. Dass Barbara Schöneberger beim Deutschen Marken- und Patentamt als solche eingetragen ist, verwundert nicht. Aber ein wenig Angst macht es doch, vor dem, was da noch kommen mag. Die Rechte gelten nämlich auch für Seifen, Pastagerichte und Bekleidung für Tiere.

Es steht nicht zu vermuten, dass Menschen, die Deutschlandfunk Kultur hören, alle zu Barbaradio wechseln, man würde es ihnen auch nicht raten. Obwohl, eine Sendung ist es tatsächlich wert. Sie heißt "Mit den Waffeln einer Frau". Darin serviert Schöneberger ihren Gästen, genau, ebenjene Waffeln, um sie eine Stunde lang nach Dingen zu fragen, die sie in der NDR-Talkshow nie erwähnen sollte, wollte sie da noch ein Mal moderieren. Zu hören sind die Interviews samstags um 11 Uhr, sonntags um 16 Uhr und immer als Podcast.

Mit Anke Engelke erörterte sie, ob Dessous eng sein müssen sowie das Procedere einer Nasenenthaarung. Bastian Pastewka gestand ihr, dass er, wenn er erkältet ist, bereits niesen muss, wenn das Messer zum Brötchenschneiden zu kalt ist. Schöneberger rülpste zustimmend. Das hört sich gaga an, ist es auch, darin liegt die Stärke des Formats, aber auch darin, dass man nebenbei viel über die Gäste erfährt. Dass Anke Engelke Klimaschützerin ist, Thomas Anders es in die russischen 20-Uhr-Nachrichten geschafft hat und Adel Tawil über Jahre ohne Führerschein Porsche fuhr.

Natürlich sitzt die Moderatorin zuweilen im Studio. Das ist in Berlin, tatsächlich im Stadtteil Schöneberg, und wird von Regiocast betrieben. Zu dem Medienhaus gehört Radio Schleswig-Holstein, Antenne MV und der Internetsender Schlagerplanet, der in seinem Kosmos auch den Kanal "100 % Helene" anbietet. Am Programm wirkt Schöneberger stark mit, mindestens ein Mal die Woche kommt sie ins Studio, um am Stück vorzuproduzieren, heißt es bei Regiocast. Liveshows seien vorerst nicht geplant, man sei kein klassischer Radiosender. Bei Barbaradio arbeiten 15 Leute, neben Hörinhalten kümmern sie sich vor allem um soziale Medien. Dass Schöneberger gerade den "Goldenen Blogger" für ihre Social-Media-Präsenz im eigenen Radio bekommen hat, verwundert nicht. Über Facebook und Instagram lässt sie die Hörer am Sendergeschehen teilnehmen, postet Bilder von sich mit vollem Mund, zeigt sich ungeschminkt mit Dutt. Die Babsi von nebenan, das ist ja ihr Erfolgsrezept.

Hören kann man den Sender über barbaradio.de oder über eine App, es gibt daneben noch Mixtapes, die "KnickKnack" (Musik zum Sex) oder "Putzfimmel" (Musik zum Feudeln) heißen. Wer dann immer noch nicht genug von Barbara Schöneberger hat, kann sich von ihrer Stimme über die App wecken lassen. Zum Beispiel so: "Steh auf, du Sau!"