Was ein Mann wissen muss (10) Der alte Mann

HAARAUSFALL BEKÄMPFEN

Besonders gefährlich im Sommer: Die Glatze.

(Foto: Foto: iStock)

Zwei Drittel aller Männer leiden früher oder später unter Haarausfall. Auch die von damals, aus den sechziger und siebziger Jahren, die das Haar so lang trugen. So lang, dass es ein Musical zu Ehren der Bewegung der Hippies gab, das den Titel "Hair" trug. In der deutschen Übersetzung wurde der folgende, erstaunlich wunderbare Text gesungen:

"Ich will es lang und liegend, fliegend • Bürstenborstig, rabenhorstig • Ruppig, schuppig, struppig, zopfig • Eisenherzig, bubikopfig • Oder voll konfetti! • Kämmungslos verludert • Hemmungslos geölt, gepudert • Löwenmähnig, strähnig, wie Spaghetti!" Will man es so? Nun, hier die Begründung, warum man es so wollen könnte. Oder eben auch nicht: "Ging vor rund 2000 Jahren • Jesus nicht mit langen Haaren? • Und Maria liebte ihren Sohn! • Nur meine Mutter hasst mich! HAAR!"

Eine Lichtung

Haare waren damals tatsächlich ein Thema, mit langen Haaren grenzte man sich vom Establishment ab. Der Diskurs über das männliche Haar ist bis heute erhalten geblieben, aber hat seinen Tenor gewechselt. Heute geht es um das Schwinden der Haare. Haarausfall (Effluvium) ist im Prinzip unbedenklich, denn jeder Mensch verliert täglich 50 bis 150 Haare. Unbedenklich ist er allerdings nur, solange er nicht zu einer Alopezie führt, einer gesteigerten Form des Haarausfalls in Verbindung mit einer deutlichen Kopfhaarlichtung. Darunter leiden jedoch Millionen von Männern. Stark haarvermindernder Ausfall kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen:

Erbanlagen

Die häufigste Form des Haarausfalls, die androgenetische Alopezie, ist genetisch bedingt. Liegt diese Alopezieform vor, die sich auf den Oberkopf beschränkt, beginnen die Haare oft schon bei 20-bis 25-Jährigen auszufallen. Etwa ein Fünftel der männlichen Betroffenen leidet unter einer Mittelscheitellichtung. Meist aber führt diese Alopezie zunächst zu Geheimratsecken, später kann sie auch zu einer Tonsur oder einer Glatze führen. Beim erblichen Haarausfall verkümmern die Haarfollikel, die Wachstumsphase wird verkürzt, und statt kräftigem Haar entsteht nur noch dünnes, kurzes und schwach pigmentiertes Haar. Meist bleibt ein Haarkranz erhalten, aber richtig gut sieht das nicht aus.

Störung des Immunsystems

Funktionsstörungen des Körpers können einen Haarausfall namens Alopecia areata verursachen. Die Wachstumsphase der Haarfollikel endet dabei recht abrupt durch eine Autoimmunreaktion. Vermutet wird, dass sich Immunzellen gegen die Zellen in den Haarwurzeln richten, weshalb in einzelnen Bereichen am Körper, meist auf dem Kopf, in Sonderfällen auch am ganzen Kopf (Alopecia areata totalis) oder im Extremfall am ganzen Körper (Alopecia areata universalis) die Haare ausfallen. In der häufigsten Form entstehen kreisrunde kahle Stellen am Kopf. Der Haarausfall kann allerdings auch diffus sein, also nicht konzentriert auf bestimmte Stellen. Nach einigen Monaten können von alleine wieder Haare auf den kahlen Stellen wachsen, es ist jedoch auch möglich, dass sich die Alopezie an andere Stellen verlagert und ausweitet.

Mängel und chemische Substanzen

Die diffuse Alopezie (Alopecia diffusa) ist eine Form von Haarausfall, die, wie der Name sagt, am Kopf zu diffusem Ausfall führt. Er tritt allerdings häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Anders als bei der Alopecia areata werden nicht runde Stellen kahl, sondern im gesamten Kopfbereich fallen Haare aus, jedoch nicht unbedingt vollständig. Diese Art des Ausfalls kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Medikamente und andere chemische Substanzen, Eisenmangel und andere ernährungsbedingte Mängel, eine Vollnarkose, eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder eine Leberinsuffizienz. Der Haarausfall ist dann meist zeitlich begrenzt.

Was tun bei Haarausfall?

Bei Haarausfall lässt sich aber etwas tun, und die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die Homer-Simpson-Methode

In der Folge "Karriere mit Köpfchen" besorgt sich Homer, der weitgehend haarlose Familienvater der Zeichentrickserie "The Simpsons", ein Haarwuchsmittel. Über Nacht wachsen ihm Haare, und dank seines guten Aussehens steigt er vorübergehend zu einer Führungskraft im Kernkraftwerk, in dem er arbeitet, auf. Er bekommt sogar den Schlüssel für den exklusiven Waschraum. Das Problem an dieser Methode ist: Sie funktioniert nur im Trickfilm. Nicht erblich bedingter Haarausfall ist in der realen Welt zwar häufig zu stoppen. Bei Mitteln, die volleres Haar bei erblich bedingtem Ausfall versprechen, handelt es sich aber in vielen Fällen um Geldmacherei. Viele Dermatologen bestreiten die Wirksamkeit dieser Wässerchen.

Seriöse Substanzen können Haarausfall vor allem verlangsamen oder stoppen. Es gibt aber noch kein Mittel, das nachweislich üppigen Haarwuchs verursacht. Das eine Mittel fördert die Durchblutung der Kopfhaut, ein anderes bremst die Bildung von Dihydrotestosteron, das durch Umwandlung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron entsteht und in vielen Fällen für Haarausfall verantwortlich ist. Vor einigen Jahren wurde entdeckt, dass ein die Blutzufuhr steigernder Wachstumsfaktor in hohen Dosen bei Mäusen das Fell wachsen lässt. Ein für den Menschen ungefährliches Präparat, das auf dieser Entdeckung beruht, ist jedoch noch nicht gefunden.

Andere Forscher arbeiten daran, die genetischen Grundlagen des Haarwuchses und -ausfalls vollständig zu verstehen, um Haarausfall dann mit einer Gentherapie begegnen zu können. Bei welcher Form vom Haarausfall auch immer: In jedem Fall ist der Arzt der bessere Berater als die Fernsehwerbung.

Die Julius-Caesar-Methode

Vom römischen Feldherrn Julius Caesar ist überliefert, dass er kein volles Haupthaar hatte. Der Lorbeerkranz, den er bei feierlichen Anlässen trug, unterstrich Caesars Machtposition, die er sich als Feldherr erworben hatte, doch er hatte auch den angenehmen Nebeneffekt, kahle Stellen auf dem Kopf zu verdecken. So wurde der Lorbeerkranz Markenzeichen und Hilfsmittel zugleich. In neuerer Zeit ist die Verwendung einer Kopfbedeckung in dieser Doppelfunktion beim Sänger Udo Lindenberg zu beobachten, der allerdings statt eines Lorbeerkranzes einen Hut benutzt.

Die Andre-Agassi-Methode Der ehemalige Tennisprofi Andre Agassi ist ein Beispiel für einen Mann, der zum richtigen Zeitpunkt einen Schnitt machte. Zu Beginn seiner Karriere wurde er nicht nur wegen seiner farbenfrohen Kleidung, sondern auch wegen seiner langen, zotteligen Haare als Paradiesvogel gepriesen. Dann schnitt er sich zunächst die Brusthaare ab, als die behaarte Brust allmählich aus der Mode kam. Schließlich, als sich sein Kopfhaar zu lichten begann, rasierte er sich den Kopf. Als einer der berühmtesten Kurzhaar- und Glatzenträger neben Bruce Willis, der einen ähnlichen Weg wählte, gilt der Ehemann von Steffi Graf, wenn auch etwas zur Ruhe gekommen, nach wie vor als Sexsymbol.

Die Horst-Tappert-Methode

In der Rolle von Oberinspektor Stephan Derrick verkörperte der Schauspieler Horst Tappert von 1973 bis 1998 einen bis dahin einzigartigen Kriminalistentypus, einen freundlichen, einigermaßen scharfsinnigen Herren, der niemals ein Macho war. Um seine Popularität und die der Serie nicht zu gefährden, trug Tappert in diesen Jahren bei öffentlichen Auftritten ein Toupet. Nach dem Ende der Serie nahm er das Toupet unverzüglich ab, auch bei öffentlichen Auftritten, und bekannte sich so zu seinem lichten Haar. Haben Sie also ein Problem mit Ihrer Glatze - lassen Sie sich um des Wohlbefindens wegen ein Toupet anfertigen. Sie können es schließlich jederzeit wieder abnehmen.

Die Guildo-Horn-Methode

Als langhaariger, unter Haarausfall leidender Mann muss der Sänger Guildo Horn bisweilen Spott ertragen. Seine Devise: Flucht nach vorne. Er geht offensiv mit seinem äußerlichen Makel um und trägt, statt etwa die Andre-Agassi-Methode zu wählen, bewusst weiter schulterlanges Haar. Damit steht er für eine selbstbewusste Minderheit der Männer, die sich über das bestehende Schönheitsideal, das von Männern wie Jake Gyllenhaal, Brad Pitt und Matthew McConaughey verkörpert wird, offensiv hinwegsetzt. Möglicherweise ein zukunftsweisender Weg.

Die Bobby-Charlton-Methode

Frank und Donald Smith ließen sich 1977 die Methode des "Comb over" patentieren. Das ist die Technik, eine Platte mit den seitlichen und unteren Kopfhaaren zu überdecken. Das Haar sollte dafür sieben bis zehn Zentimeter lang sein. Kämmen Sie das Haar von einer Kopfseite über die kahlen Stellen, fixieren Sie es mit Haarspray. Nehmen Sie dann das Haar von hinten, schließlich das von der anderen Kopfseite. Haarspray nie vergessen. Der britische Fußballer Bobby Charlton war ein bekannter Träger dieser Haarpracht, heute trägt er schlicht einen Haarkranz.

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