Vitamine Folsäure hält Senioren geistig fit

Für Schwangere gehört Vitamin B9 fast schon zur Standard-Versorgung. Doch auch alte Menschen können offenbar von einer Extra-Portion Folsäure profitieren.

Von Marlies Michaelis

Schwangere nehmen schon jetzt häufig neben der normalen Nahrung zusätzlich Folsäure in Tablettenform ein - denn bei einem Mangel dieses Vitamins drohen dem Embryo Störungen in der Entwicklung.

Geistig fit dank Vitamin B9?

(Foto: Foto: irisblende)

Von einer Extra-Portion Folsäure könnten auch Senioren profitieren, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus dem Fachmagazin The Lancet (2006, 369:208-216).

Offenbar kann das Vitamin älteren Menschen helfen, geistig aktiv zu bleiben.

Die Niederländerin Jane Durga von der Universität Wageningen und ihrer Kollegen teilten über 800 Studienteilnehmer - alle zwischen 50 und 70 Jahre alt - in zwei Gruppen ein, die über drei Jahre entweder täglich ein Placebo oder 800 Mikrogramm Folsäure zusätzlich zur Nahrung erhielten.

Die Studienteilnehmer hatten alle eine erhöhte Konzentrationen der Aminosäure Homocystein im Blut. Folsäure ist am Abbau dieser Aminosäure beteiligt.

Nach drei Jahren setzten die Wissenschaftler dann schon bekannte Testverfahren ein, um Gedächtnis und die Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit der Teilnehmer zu testen.

Das Ergebnis: Die Folsäure-Gruppe schnitt signifikant besser ab als die Placebo-Gruppe. Eine zusätzliche Einnahme von Folsäure über einen Zeitraum von drei Jahren, folgern die Autoren, verbessert Bereiche der kognitiven Funktion, die tendenziell im Alter abnehmen.

Bisher war die Folsäure besonders bei Schwangeren ins Blickfeld geraten denn dem Embryo drohen schwere Schädigungen, beispielsweise ein offener Rücken, falls die Versorgung mit Folsäure zu gering ausfällt. Eine repräsentative Untersuchung von 1998 - der Ernährungssurvey - hatte gezeigt, dass 91 Prozent der Frauen und 85 Prozent der Männer weniger als die empfohlene Menge an Folsäure zu sich nehmen.

Diese Sachlage hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) 2005 dazu geführt, für Deutschland eine Zugabe von 140 Mikrogramm Folsäure auf 100 Gramm Mehl zu empfehlen und gleichzeitig die bisher vorhandenen speziellen Folsäure-Zusätze beispielsweise in Milchprodukten und Multivitamingetränken abzuschaffen, damit es bei niemandem zu einer Überversorgung kommt.

Eine Mehlanreicherung würde die Folsäureversorgung in Deutschland flächendeckend verbessern, so das RKI.