Ungesunde Nahrung Lebensmittel mit Dioxin verunreinigt

In Deutschland sind womöglich Produkte, die mit einem belasteten Verdickungsstoff angereichert wurden, in den Handel geraten. Und in teuren Kartoffelchips ist erneut Acrylamid aufgetaucht.

Bundesländer und Firmen suchen nach Lebensmitteln, die mit den gefährlichen Giften Dioxin und Pentachlorphenol (PCP) belastet und womöglich bereits in den Handel gelangt sind.

In Baden-Württemberg wurde das Guarkernmehl unter anderem in Speiseeis verarbeitet.

(Foto: Foto: ddp)

Die Quelle ist verunreinigtes Guarkernmehl aus Indien, das in zahlreichen Lebensmitteln als Verdickungsstoff eingesetzt wird. In Baden-Württemberg wurden in drei Firmen bereits "mehrere Tausend Kilogramm" des Guarkernmehls entdeckt und gesperrt, wie das Stuttgarter Landwirtschaftsministerium mitteilte.

Dort wurde das Mehl zu Zusätzen für Molkereiprodukte und Speiseeis verarbeitet.

In Brandenburg wurden rund 2000 Tonnen dioxinverseuchtes Verdickungsmittel sichergestellt, teilte das Verbraucherschutzministerium mit und bestätigte einen Bericht von Antenne Brandenburg. Hier seien keine Produkte in den Handel gelangt.

In Rheinland-Pfalz wurden in zwei Firmen mehrer Hundert Kilogramm des Zusatzstoffes entdeckt.

Das Verdickungs- und Füllmittel Guarkernmehl, auch Zusatzstoff E412 genannt, wird bei der Herstellung etwa von Joghurt, Saucen, Ketchup und Brot, aber auch in Bio-Lebensmitteln oder Säuglingsnahrung eingesetzt.

In dem Mehl, das die Schweizer Firma Unipektin nach Angaben von Lebensmittelexperten und Überwachungsbehörden verschiedener Länder in zehn europäische Staaten lieferte, wurden bis zu 156 Picogramm Dioxin pro Gramm Fett gefunden. Die europäischen Grenzwerte für Lebensmittel liegen zwischen ein und sechs Picogramm.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz geht von dem verunreinigten Guarkernmehl für Verbraucher aber keine unmittelbare Gefahr aus, weil der Stoff Lebensmitteln meist nur in geringen Mengen zugesetzt werde.

Laut dem Bundesverbraucherschutzministerium wurde die bundesweite Suchaktion nach dem belasteten Zusatzstoff mit den Ländern Ende vergangener Woche in einer Telefonkonferenz abgestimmt. Ob damit verunreinigte Lebensmittel bereit in den Handel gelangt sind, war zunächst unklar.

Warnung vor Acrylamid in Chips

Zuvor hatte die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch bereits vor Kartoffelchips gewarnt, die offenbar besonders stark mit Acrylamid belastet sind. Gerade teure Marken und auch Bioprodukte enthalten demnach viel der krebsverdächtigen Substanz, wie die Organisation auf Grundlage neuer Tests berichtete.

Insgesamt wurden 16 Kartoffelchips-Produkte getestet. Die Sorte "Pringles Paprika" des Herstellers Procter & Gamble enthält dem Bericht zufolge 34 Mal mehr Acrylamid als das vergleichbare Lidl-Produkt "Rusti Chips Paprika", das Testsieger wurde. Auch ein Bioprodukt der Firma Molenaartje ist laut foodwatch mit 1600 Mikrogramm pro Kilogramm so hoch belastet wie der konventionelle "Pringles"-Testverlierer.

Die Substanz Acrylamid, die beim Backen und Frittieren entstehen kann, lässt sich nicht vollständig vermeiden, aber durch Umstellung der Produktionsweise stark verringern. Dazu stellte der foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt fest: "Die Methode der Bundesregierung, Hersteller in Minimierungsgesprächen für eine verbesserte Produktion zu gewinnen, bringt nichts und gefährdet die Gesundheit der Verbraucher in völlig unnötiger Weise."

Die Verbraucherrechtsorganisation schlug vor, Produkte zu kennzeichnen - von rot für viel bis grün für wenig Acrylamid. Eine Kennzeichnungsvorschrift würde zu einem Wettbewerb um die niedrigste Belastung führen und zu besseren, gesünderen Produkten, hieß es.

Der Lidl-Testsieger lag laut foodwatch bei 47 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm, gefolgt vom Aldi-Pendant "Feurich Stapelchips Paprika" mit 220 Mikrogramm. Alle anderen Testergebnisse, darunter Markenprodukte wie "Funny frisch" und "Chio" oder Chips der Firma Lorenz lagen darüber.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sollte man als Tagesdosis ein Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschreiten. Demnach sollte ein 20 Kilogramm schweres Kind nicht mehr als fünf Chips der getesteten "Pringles"-Sorte essen und dürfte außerdem kein anderes Röstprodukt wie Toast oder Frühstücksflocken zu sich nehmen, worin auch Acrylamid enthalten sein kann.

Laut foodwatch ist die Marke "Pringles" mit 70 Prozent Anteil Marktführer bei Stapelkartoffelchips. "Damit die Verbraucher sich gegen eine unnötige Belastung der Lebensmittel mit der Risikosubstanz Acrylamid wehren können, wird foodwatch im Internet eine Protestaktion starten", erklärte die Organisation.