Thema der Woche Unterirdisch

Särge senkrecht vergraben und an Beerdigungen per Livestream im Internet teilnehmen. Mit Toten sprechen und überall Wlan: Wie könnte der Friedhof der Zukunft aussehen?

Von Axel Reimann

Friedhöfe sind merkwürdige Orte. Da dürfen Kerzen brennen, ohne dass jemand aufpasst. Und wenn man herumtollt, schauen Erwachsene oft streng. Alles wirkt irgendwie überwuchert, einsam und alt. So als ob sich dort nie etwas verändern würde.

Das stimmt aber nicht. Es gibt Menschen, die machen sich genau darüber Gedanken: Wie sehen Friedhöfe der Zukunft aus? Vielleicht kann man dort mit der toten Oma sprechen? Sie erzählt einem, was ihr besonders wichtig war im Leben oder berichtet von ihren schönsten Erlebnissen. Sie könnte als Hologramm über dem Grab erscheinen, als dreidimensionales Bild, mit Aufnahmen, die Oma vor ihrem Tod gemacht hat - alles über einen QR-Code am Grabstein aufrufbar. Natürlich gibt es auf dem Friedhof der Zukunft kostenloses Wlan. Die Verwandten und Freunde, die zu weit weg wohnen, können das Grab mit der friedhofseigenen Kamera-Drohne ansteuern. Ein Computerprogramm ermöglicht kurze Gespräche mit Omas Avatar.

Manche Experten fordern für den Friedhof vor allem eines: mehr Leben

Manches - wie zum Beispiel die QR-Codes auf Grabsteinen oder Drohnen-Livestreams von Beerdigungen - gibt es bereits, anderes wird vielleicht nie verwirklicht. Es kann sein, dass der Friedhof der Zukunft auch in eine ganz andere Richtung geht. In China etwa wird wegen Platzmangels damit experimentiert, Särge senkrecht zu vergraben. In Japan gibt es Friedhöfe, auf denen man nur mit einer speziellen Smartcard überhaupt erkennen kann, wo die Grabstelle mit der Urne des Verstorbenen ist. Forscher in New York haben ein System entwickelt, mit dem aus sterblichen Überresten Energie gewonnen wird. Diese speist dann ein Erinnerungslicht in einer parkähnlichen Anlage.

Hierzulande sprechen sich Experten für mehr Leben auf dem Friedhof aus: mit Theateraufführungen etwa, Cafés oder Spielplätzen so wie heute schon auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe. Oder indem Kinder auf den Wegen Fahrradfahren lernen. Die Verstorbenen auf dem Friedhof würde es wahrscheinlich freuen.