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Super Nanny auf RTL:Voyeurismus mit positiven Nebenwirkungen

Laut Expertenmeinung ist es gar keine so schlechte Idee, wenn eine Pädagogin im Fernsehen eine Woche lang eine Problem-Familie betreut .

Das Trainings-Prinzip wie in der RTL-Dokusoap Super Nanny ist nach Expertenmeinung für Familien mit Erziehungsproblemen gar nicht schlecht.

Super Nanny auf RTL

Eigentlich keine schlechte Idee: Die Super Nanny von RTL.

(Foto: Foto: RTL)

"Es zeigt: Wenn man Vater und Mutter konkret coacht, ist viel möglich", erklärte der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort am Rande eines Psychiatrie-Kongresses in Aachen.

Er lehne die Sendung aber wegen ihres voyeuristischen Konzepts ab.

Darin zieht eine Pädagogin eine Woche lang zu einer Familie, die Sorge mit ihren Kindern hat, und analysiert nach RTL-Angaben die Probleme und sucht nach Lösungen.

"Für Zuschauer ist es befriedigend, in die Malaise anderer Familien zu sehen und selbst nicht betroffen zu sein", erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

Anstatt mit der Kamera in die Familie zu gehen, seien auch andere Darstellungs-Formen denkbar, wie Interviews oder gestellte Szenen.

Grundsätzlich schließt der Hamburger Wissenschaftler aber nicht aus, dass Eltern aus den dargestellten Fällen lernen können.

"Wenn jemand genau hinsieht und das auf sich beziehen kann, kann er daraus lernen", sagte Schulte-Markwort. In der Dokusoap sieht er aber vielmehr ein Bild für das richtige Konzept, Familien im Alltag und situationsbezogen zu beraten und zu trainieren.

"Die Fähigkeit, eine ausreichend gute Mutter oder ein ausreichend guter Vater zu sein, fehlt oft", meinte Schulte-Markwort. Das drücke sich etwa in mangelndem Einfühlungsvermögen aus oder in der fehlenden Bereitschaft zu verzichten.

"Wer Eltern werden will, muss seine eigenen Bedürfnisse zurückstellen."

Problematisch seien auch psychische Störungen bei den Eltern oder Beziehungsprobleme. Beides wirke sich auf das Verhältnis zu den Kindern aus.

"Die Erziehung ist schwieriger geworden", betonte der Wissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg. Eltern suchten nach Unterstützung. Das zeige sich in der am Klinikum gegründeten "Elternschule", einer monatlichen Vortragsreihe mit Themen der Erziehung.

Anregung dafür habe auch die "Super Nanny" gegeben. "Uns war klar: Wir müssen auf die Eltern zugehen."

Auf Nachfrage gehe die Elternschule auch schon Mal auf Tour, etwa in Schulen. Die Veranstaltungen seien sehr gut besucht.

© dpa/Elke Silberer
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