Stilfrage: Die "Crocs" Klob-Trotter aus Plastik

Manche würde sie am liebsten zum Anzug tragen: Seit die Crocs von Trendscouts entdeckt wurden, breiten sie sich auch in Stadt und Land aus.

Von Eckhart Nickel

Neulich meinte ein gestandener Hoteldirektor zu mir, er habe hohe Achtung vor den Wonnen des Protokolls und liebe Sundowner mit Herren in weißen Dinnerjacketts und Damen im kleinen Schwarzen. Aber, und jetzt wird es interessant, von Zeit zu Zeit sehne er sich danach, seinen Nadelstreif mit "Crocs" zu kombinieren.

Leicht geschäumtes Plastik statt schweres Holz: Crocs sind die neuen Stars unter den Clogs.

(Foto: Foto: ddp)

Crocs? Nun ja, fing er an, es handele sich sozusagen um einen Schuh wie die Clogs, nur eben aus Plastik.

Das klang nicht gut. Als ich mein erstes Paar gegooglet hatte und vor mir sah, erlitt ich einen veritablen Schock. Er glich in etwa dem Moment der Starre, die Commander McLane aus der sublimen deutschen Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille Orion" von 1966 ereilt, wenn die Bösewichte der "Frogs" auf seinem schicken Kontrollschirm auftauchten. Die Devise: sofortiger Rücksturz zur Erde, abtauchen, durchatmen. Zweiten Blick wagen.

Eine Beleidigung für jedes Auge

Der Bequemschuh aus aufgeschäumtem Plastik namens Croc ist, so viel lässt sich gleich verraten, so ziemlich das Letzte, was ein Mensch mit gesundem Formempfinden seinen Füßen zumuten würde. Er sieht aus wie ein außerirdischer Cousin der guten alten Clogs, und ist, wie auch sie, ein Kind der Arbeitswelt. Man kann ganz gut verstehen, warum Krankenhäuser und Küchen dieser Welt mit ihren Aquaplaning-Böden für die fausthohen Holzklumpen der Clogs an der Ferse ein sinnvolles Terrain sind (zur Nachbetäubung von Patienten oder beim Weichklopfen von Schnitzeln)

Aber was die Crocs mit ihrem pockennarbigen Aufsatz (zum Ablauf des Wassers einer Welle von Backbord?) auf den Booten der Ozeane zu suchen haben, wo es doch so schöne Boatshoes gibt, konnte mir erst ein sturmgeprüfter Hobbysegler erklären: "Die sind rutschsicher, du, und außerdem stehst du in den Latschen so gemütlich da wie sonst nur in Birkenstocks!"

Ah, verstehe. Das in den kuscheligen Cocoon-Neunzigern erfundene Prinzip "Wohlifühli" hatte wohl auch die Sportwelt verzögert erreicht.

Auch Liv Tylers Sohn trägt sie

Nun kann man den Erfindern, drei netten Jungs aus Boulder, Colorado, nicht vorwerfen, sie hätten viel falsch gemacht. Als sie den Schuh im Jahr 2002 auf der "Fort Lauderdale Boat Show" vorstellten, verkauften sie ihren kompletten Bestand von 1000 Paaren gleich auf der Messe selbst. Danach ging alles schnell. Die ersten Trendscouts sahen den Klob-Trotter und brachten ihn an Land und in die Städte.

Neulich wurde Liv Tyler mitten in New York City mit ihrem Sohn Milo Langdon gesehen, dem sie ein Paar schwarze Crocs Modell "Cayman" angezogen hatte. Beim Ur-Croc aber gilt, wie so oft im Leben, nomen est omen. Denn schon sein Name verrät, wo wir ihn tragen sollen, und, bitte, auch nur dort: Er heißt schlicht beach. Jetzt aber ab an den Strand.