Silvio Berlusconi & seine Veronica Silvio ist "nicht sexsüchtig"

Der Rosenkrieg im Hause Berlusconi erschüttert ganz Italien: Leibarzt, Gleichstellungsministerin, Parteichefs, Schauspieler, Psychologen und Kirche melden sich zu Wort.

Von Stefan Ulrich

Rom - Nun ist es offiziell. Silvio Berlusconi ist "nicht sexsüchtig". Das befindet sein Leibarzt Umberto Scapagnini. Der Mediziner begründet seine Diagnose mit den Worten, er kenne den 70 Jahre alten Cavaliere seit langem und wisse, "dass dessen galante Späße gegenüber schönen Frauen absolut unschuldig sind". Berlusconi suche eben nach Zuneigung. Als Mann und medizinischer Hormonspezialist könne er, Scapagnini, versichern: "Wenn jemand seiner Bewunderung gegenüber einer interessanten Frau Ausdruck verleiht, so ist das eine Ehrerbietung gegenüber allen Frauen und keine Beleidigung der eigenen Gefährtin."

Veronica, Silvio und die Rosen - der Krieg ist öffentlich ausgetragen.

(Foto: Foto: AFP)

Wie dem auch sei - die Italiener werden weiter vom Liebesleben ihres früheren Premiers und heutigen Oppositionsführers umgetrieben. Nachdem Berlusconis Frau Veronica Lario ihrem Mann wegen dessen Geturtel mit jungen Damen in einem öffentlichen Brief die Leviten gelesen hatte und dieser sich, wiederum öffentlich, bei ihr entschuldigte, quellen die Medien über von Erklärungen diverser Vertrauter und Spezialisten. Die Gleichstellungsministerin äußerte sich ebenso zu dem Fall wie Parteichefs, Schauspieler, Psychologen und Kirchenführer. So meinte der emeritierte Erzbischof von Ravenna, Kardinal Ersilio Tonini, zu dem Brief Veronicas: "Er ließ mein Herz erzittern."

Kühlere Analysten forschen nach dem Grund für den Hauskrach bei Berlusconis. Dabei verlieren die Verschwörungstheoretiker, die das Spektakel als Medieninszenierung des Cavaliere einstufen, an Boden. Vorherrschend sind zwei andere Theorien.

Die eine besagt, die 50 Jahre alte Veronica Lario plage wirklich die Eifersucht, weil ihr gelifteter und neu behaarter Gatte massiv massiv auf Brautschau sei; von einer 21-jährigen schauspielernden Schönheit aus Neapel wird getuschelt.

Nach der anderen Theorie soll es um Macht und Mammon gehen. Veronica Lario fürchte, ihr milliardenschwerer Mann wolle seine beiden Kinder aus erster Ehe gegenüber den drei Kindern, die er mit Veronica hat, benachteiligen. Deshalb setze sie ihn nun unter Druck.

Das Volk darf derweil im Internet und gegenüber Umfrageinstituten das eheliche Erdbeben bewerten. Gut die Hälfte der Italiener findet demnach, Veronica hätte ihren Frust nicht an die Öffentlichkeit tragen sollen. Etwa 60 Prozent der Bürger rechnen mit einer Scheidung.

Solchen Prognosen zum Trotz hat es nun im Familienschlösschen Belvedere bei Mailand ein Versöhnungs-Essen gegeben. Die Zeitung La Repubblica berichtet darüber, und sie genießt Glaubwürdigkeit, schließlich durfte sie den öffentlichenBrief als erste abdrucken drucken.

Offenbar lief das Dinner recht ruhig ab. Leibkoch Marco servierte Trofie - Klößchen aus Mehl und Kartoffeln - mit Pesto, panierte Koteletts und Paradieskuchen mit Puderzucker, Silvios Lieblings-Dessert. Gegen neun Uhr widmete sich der Gatte dann dem Fußball, denn es spielte sein AC Mailand. Veronica setzte sich, der Repubblica zufolge, vor den Fernseher und verfolgte die Talk-Shows zu den Szenen ihrer Ehe.