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Schwedens Haustiere:Lass den Hund nie allein!

Katzen und Hunde haben auch Gefühle: In Schweden tritt eine neue Regelung in Kraft, laut der kein Tier mehr als acht Stunden alleine sein sollte. Cheryl Jones Fur von der schwedischen Agrarbehörde erklärt warum.

Ines Schipperges

Der Tierschutz in Schweden kümmert sich um das leibliche und seelische Wohlbefinden von Hund und Katze - eine neue Regelung fordert, dass kein Haustier länger als acht Stunden alleine sein soll. Notfalls sollen berufstätige Menschen in der Mittagspause nach Hause gehen, um das Tier zu streicheln.

Lass den Hund nie allein!

Das schwedische Agrarministerium fordert: Lass den Hund nie allein!

(Foto: Foto: dpa)

Wer das nicht kann, soll sein Haustier gefälligst in eine Hundepension bringen. Als Haustierexpertin beim schwedischen Agrarministerium weiß Cheryl Jones Fur, dass die Tiere soziale Kontakte benötigen.

sueddeutsche.de: Hunde- und Katzenbesitzer in Schweden sollen in der Mittagspause nach Hause gehen und das Tier streicheln. Warum haben Sie diese Regel eingeführt?

Cheryl Jones Fur: Es ist kein Gesetz und eigentlich auch keine Regel, sondern eher eine allgemeine Auflage. Besonders gilt sie für Haustierbesitzer, deren Tiere viel Zeit drinnen verbringen: Sie sollen dafür sorgen, dass der Hund oder die Katze regelmäßig Auslauf erhält, gefüttert wird und auch regelmäßig das Badezimmer benutzen darf. Auch Tiere brauchen Streicheleinheiten!

sueddeutsche.de: Vernachlässigen die Schweden denn ihre Haustiere? Oder ist das nur die Ausrede für eine längere Mittagspause?

Jones Fur: Nein! Unsere Forderung ist vor allem als Vorkehrung gedacht. Wir sehen, dass viele Leute, die in einer Wohnung leben, nicht realisieren, wie viel Zeit man braucht, sich angemessen um ein Tier zu kümmern. Solchen Leuten soll aufgrund der neuen Regeln von Vorneherein bewusst gemacht werden, wie lange ein Tier alleine gelassen werden kann, damit sie sich Gedanken darüber machen, ob sie selbst den Bedürfnissen des Tieres gerecht werden können.

sueddeutsche.de: Die Schweden stehen in dem Ruf, sich im Vergleich zu anderen Ländern nicht nur um ihre Kinder, sondern auch um ihre Tiere vorbildlich zu kümmern. Zufall, dass nun gerade bei Ihnen solch eine Regel in Kraft tritt?

Jones Fur: In Schweden gibt es eine Menge Bestimmungen, die das Wohlergehen von Nutztieren, von Pferden, Kühen, Schweinen, aber auch von kleinen Tieren wie Fischen oder von Versuchstieren regeln sollen. Nur für Hunde und Katzen gab es bisher noch keine Vorschriften dieser Art, weil die Regeln für diese Tiere schon älter und auch etwas überholt sind.

sueddeutsche.de: Sind Sie selbst denn heute in Ihrer Mittagspause nach Hause gegangen, um Ihr Haustier zu streicheln?

Jones Fur: Vor zwei Tagen bin ich nach Hause gegangen, um mich um meinen Hund zu kümmern, ja. Heute allerdings nicht.

sueddeutsche.de: Weshalb heute nicht?

Jones Fur: An manchen Tagen ist er in einer Hundestagesbetreuung - so wie heute.

© sueddeutsche.de/jüsc
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