Schuhdesignerin Charlotte Dellal Entwürfe für drei Generationen

SZ: Wie sieht Ihre Traumkundin aus?

Keine Angst vor Leo-Print: Charlotte Dellal hat sich mit ihren Entwürfen im Luxusschuhsegment einen Namen gemacht.

(Foto: Jacob Lillis)

Charlotte Dellal: Wenn ich Schuhe entwerfe, denke ich immer an meine Großmutter, meine Mutter und meine Schwester Alice - das sind drei Generationen Frauen. Sie sollen alle meine Schuhe tragen können. Es nervt mich, wenn man so tut als wären bestimmte Moden nur für eine bestimmte Altersgruppe geeignet. Ob jemand etwas tragen kann, liegt ganz an seinem Selbstverständnis und daran, wie er sich gerade fühlt.

SZ: Ihre Sommerkollektion bewerben Sie mit einem Pin-up-Motiv, inspiriert von dem brasilianischen Pin-up-Superstar Carmen Miranda. Für die Herbstkollektion haben Sie eine Art Agatha-Christie-Kurzfilm gedreht, mit ausschließlich weiblichen Protagonisten. Männer tauchen im Universum von Charlotte Olympia gar nicht auf.

Charlotte Dellal: So habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht. Okay, Schauspielerin Portia Freeman, die in dem aktuellen Film und allen Kampagnen zu sehen ist, ist tatsächlich eine starke, unabhängige Frau. Und mädchenhaft niedlich ist meine Arbeit sicher nicht. Und auch in meiner Familie sind alle Frauen selbstgenügsam und unabhängig.

SZ: Sie selber sind der Inbegriff der modernen Frau.

Charlotte Dellal: Wie meinen Sie das?

SZ: Nun ja, Sie entwerfen zwei Kollektionen pro Jahr, führen die gesamten Geschäfte, kürzlich haben Sie ihre erste Boutique eröffnet und Ihre Kollektion außerdem im renommierten Kaufhaus Bergdorf Goodman in New York untergebracht . Nebenbei erziehen Sie Ihren dreijährigen Sohn, vor ein paar Monaten haben Sie geheiratet, und in Kürze erwarten Sie Ihr zweites Kind ...

Charlotte Dellal: Ja, eine richtige "Charlie's-Angels"-Phantasie! Dass ich gleichzeitig Mutter, Designerin und Unternehmerin bin, funktioniert nur, weil ich selbständig bin. Ich hatte keinen Mutterschaftsurlaub. Wenn ich wollte, dass der Laden läuft, musste ich mich schon selbst darum kümmern. Am Anfang habe ich meinen kleinen Sohn Ray immer mit ins Büro und auch ins Atelier mitgenommen. Wer angestellt ist, kann das nicht so locker machen. Einfach ist das trotzdem nicht, eher ein Balance-Akt. Meine Familie hilft mir auch, vor allem meine Mutter und meine Schwiegermutter. Wir stehen uns sehr nah - die Männer eingeschlossen. Ray hat mittlerweile eine Nanny, den Tag über. Wie das alles funktioniert, wenn mein zweites Kind auf die Welt kommt - das werde ich dann sehen.

SZ: Hat es eigentlich mit Ihrem Sohn zu tun, dass Sie seit einiger Zeit auch flache Schuhe entwerfen? Ist man als Mutter gezwungen, praktischer zu denken?

Charlotte Dellal: Wie gesagt, meine Converse-Turnschuhe habe ich auch schon vor Rays Geburt getragen. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen mit ihm auf den Spielplatz gehe. Dann ziehe ich eher Sandalen aus meiner Kollektion an - am liebsten die mit Leoparden-Muster, damit ich nicht zu sittsam aussehe. Aber guter Stil steht und fällt nicht mit der Höhe der Absätze.

SZ: Was ist für Sie denn guter Stil?

Charlotte Dellal: Dinge zu tragen, in denen man sich wohlfühlt. Für mich bedeutet das einen hübschen Hut und ein schönes Paar Schuhe. Accessoires machen ein Outfit komplett. Ich glaube nicht, dass man sich in jeder Saison komplett neu einkleiden muss, nur weil es neue Trends gibt. Man braucht ein paar unverwüstliche Dinge, die man liebt. Und die kann man mit Accessoires immer wieder neu inszenieren.

SZ: Gehören Schuhe zu den unverwüstlichen Dingen, die eine Frau lieben sollte?

Charlotte Dellal: Für mich schon. Ich trage sie, bis sie auseinanderfallen. Und ich glaube auch nicht, dass jemand meine Highheels wegwirft, nur weil gerade ein halbhoher Haken angesagt ist.