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Rückkehr des Vintage:Neu? Nee.

Chloë Sevigny ist Hollywoods Vorzeige-"Vintage"-Frau. Von Wegwerfgesellschaft kann nicht die Rede sein: über die Wiederentdeckung des Phänomens Vintage.

Alex Bohn

Betty und Don Draper sind die bestangezogenen Menschen der Welt. Nur leider existieren die Drapers nicht - sie sind nur die Protagonisten der neuen US-Erfolgsserie "Mad Men".

sevigny, vintage; Reuters

Chloë Sevigny, hier im Film "Boys Don't Cry", trägt gern Gebrauchtmode.

(Foto: Foto: Reuters)

Weil die TV-Serie im New York der späten fünfziger Jahre spielt, tragen die Drapers die Mode der damaligen Zeit - die dank Stylistin Janie Bryant einen stilvolleren Anblick bietet als die meisten aktuellen Trends.

Die Herren verkörpern klassische Männlichkeit in dunklen Maßanzügen und blütenweißen Hemden, die Frauen sind weiblich gekleidet in kleine Blusen, Cardigans, langen, schwingenden Röcken und tief dekolletierten Abendroben.

Alt ist gleich gut

Dank "Mad Men" erfährt Vintage-Mode gerade wieder einen neuen Popularitätsschub. Zuletzt wurde der Begriff "Vintage" (die amerikanische Bezeichung für Gebrauchtmode) inflationär gehandelt: Champagner, Uhren, Autos - war etwas alt, war es Vintage, war es gut.

Die Evolution von der minderwertigen Second-Hand-Mode, die stets zweite Wahl war, zum wohlgelittenen Vintage vollzog sich Anfang des 21. Jahrhunderts. Während in deutschen Second-Hand-Läden noch Kiloware verramscht wurde, schritt Schauspielerin Julia Roberts bei der Oscar-Verleihung 2001 zum ersten Mal in Vintage-Valentino über den roten Teppich.

Einen maßgeblichen Einfluss auf den Trend hatten auch die Star-Stylistinnen Patricia Field, die "Sex and the City" ausstattete, Nicole Richies Immer-mal-wieder-Freundin Rachel Zoe oder Emily Current, die Mandy Moore und Paris Hilton zu stilgemäßen Auftritten verhilft: Sie alle durchkämmen regelmäßig die besten Shops des Landes.

"Vintage eignet sich perfekt, um einen individuellen Auftritt zu inszenieren", erklärt Emily Current. "So schnell wie das Internet Bilder der neuen Kollektionen verbreitet, kann man Stars gar nicht in die entsprechenden Kleider stecken. Für den Überraschungseffekt muss man auf Vintage setzen."

Übrigens das gleiche Rezept, mit dem sich Chloë Sevigny seit Jahren als hippe Vorzeigefrau hält - stilistische Überlegenheit durch den Einsatz von Vintage-Teilen.

Es dauerte nicht lange, bis auch große Textilketten das Marktpotential gebrauchter Mode entdeckten. H&M, Topshop und Oasis aus Großbritannien und das US-amerikanische Urban Outfitters machten Mode aus zweiter Hand zum festen Bestandteil ihres Sortiments. Plötzlich war Vintage omnipräsent - und dem Trend kam seine modische Schlagkraft abhanden. "Nur weil ein Stück alt ist, hat es noch lange keine Klasse", kommentiert Emily Current.

Vintage ist ein globales Phänomen. Die International Herald Tribune nannte Tokio, das es auf über 400 Vintage-Shops bringt, unlängst "Planet Vintage".

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