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Prinzessin Diana:Eine Lady verschwindet

Im vergangenen Sommer wurde der Original-Radiergummi von Diana Spencer versteigert, der Bieter blieb anonym. Inzwischen ist klar, warum.

Christian Kortmann

Die Schriftkultur, die doch Flüchtiges festhalten will, hat selbst nur ein Kurzzeitgedächtnis. Digital verschlampt, benutzt man als Alternative zur Computertastatur vielleicht noch Filzstift, Kugelschreiber und manchmal sogar einen Bleistift - doch der Radiergummi, Vorfahre der Delete- oder Entfernen-Taste, ist zur Jugenderinnerung geworden. Die schönsten Exemplare dieser damals auch Ratzefummel genannten Gummis lugten in der Schule meist aus den Etuis der Mädchen hervor, prächtige hellblaue oder hellrote Batzen, mit dem Finger angenehm eindrückbar, aber unzweifelhaft hart im Kern. Das müssen sie auch sein, schließlich bilden sie das Gegenstück zu den Graphitminen des Bleistifts, deren Botschaften ewig stehenbleiben, unterm stets ein wenig nach Kavaliersstart riechenden Abrieb des Radiergummis aber kleinlaut verschwinden.

Im Sommer 2009 war von einem sehr prominenten radierenden Schulmädchen zu lesen: Das Auktionshaus Reeman Dansie im britischen Colchester versteigerte einen Radiergummi aus den Schulzeiten von Diana Spencer. 630 Euro wurden für das Andenken an die im Jahr 1997 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Prinzessin von Wales geboten - von einem anonymen Schweizer Sammler, wie es hieß. Lady Dianas Radiergummi maß stolze zwölf mal vier Zentimeter, auf der Oberseite des massiven japanischen Spaß-Accessoires prangte die Aufschrift "For Big Mistakes!".

Daneben hatte die Elevin in Phasen der Schulstundenlangeweile ihren Namen "D. Spencer" und die Wörter "Beware", "Bomb" und "Help" gekritzelt. Der Gummi hatte nur leichte Abriebsspuren, es gab in Spencers Jugend wohl nicht viel zu radieren. Ihr "biggest mistake" bestand nach Hofberichterstattermeinung dann ja darin, bei den Windsors einzuheiraten. Spät, aber gründlich kommt der Radiergummi doch noch zum Zug.

Denn hinter dem anonymen Bieter verbargen sich die Künstler Admir Jahic und Comenius Roethlisberger aus Basel. So verstaubt diese Lady-Diana-Devotionalie nicht wie ein vertrocknetes Stück Hochzeitstorte im privaten Schrein, sondern wurde zum Teil von Jahics und Roethlisbergers Radiergummi-Kunstwerk "For Big Mistakes. Erased Drawings"- ausradierte Zeichnungen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was es mit der ausradierten Kunst auf sich hat.

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