Pflicht zur Vorsorge:Krankheit als Schuld

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Früherkennung ist schließlich definitionsgemäß eine Untersuchung von Menschen, die keine Beschwerden haben und bei denen auch nichts auf ein besonderes Risiko hindeutet, an einem Tumor zu erkranken.

In der Folge werden sie teilweise invasiven Untersuchungen ausgesetzt. Schlimmer ist jedoch die Verunsicherung und Ungewissheit nach unklaren Befunden, die weiter abgeklärt werden müssen, bis sie sich als harmlos erweisen.

In dieser Diagnosespirale wird Gesundheit zerstört, nicht erhalten.

Denn Gesundheit gibt es nur im Zustand der Selbstvergessenheit - als "Schweigen der Organe", wie es der französische Chirurg René Leriche genannt hat.

Wer sich ständig fragt, ob er genug für Früherkennung oder Vorsorge getan hat, fühlt sich nur noch gesund auf Probe - und belastet das Gesundheitswesen auf der Suche nach Beweisen für seine Gesundheit umso mehr.

Denen, die schon erkrankt sind, wird ein schlechtes Gewissen gemacht und auf medizinisch fragwürdiger Basis die Schuld an ihrem Leid zugeschrieben.

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