Partnersuche im Internet:Mit der Schrotflinte auf Frauenjagd

Lesezeit: 4 min

Sechs Millionen Singles in Deutschland haben sich übers Internet gefunden. Dabei tickt Online-Dating ganz konventionell: Männer jagen, Frauen werden erbeutet.

Ines Schipperges

"Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen", stellte schon Loriot fest. Sollte Deutschlands ironischster Beziehungsexperte tatsächlich recht behalten? Auch professionelle Paarexperten scheinen ähnlicher Auffassung zu sein. "Liebe kann man nicht beherrschbar machen", erklärt Jurate Baronas, als Journalistin und Autorin ("Lessons in Love") in Sachen Beziehung tätig. Sie ergänzt: "Wir sind zu anspruchsvoll, weil wir uns nicht mehr binden müssen."

Jagd

Realität im Turbodurchlauf und Romantik light: Männer haben es ganz schön eilig, wenn es darum geht, die Traumfrau zu finden. Da wird dann beim Online-Dating auch schon einmal wahllos drauflosgeprescht.

(Foto: Foto: iStockphotos)

"Wir" sind natürlich die Frauen. Sie haben einen Beruf, sie verdienen sich ihre eigenen High Heels, sie brauchen keinen Mann. Was natürlich nichts daran ändert, dass sie trotzdem gerne einen hätten. Doch wo findet man den? Und wo findet er sie?

Die Wege der Partnersuche haben sich verändert und das Internet hat maßgeblich dazu beigetragen. Der Computer als Spielzeug, die Singlebörse als Spielwiese. Und jeder kann mühelos mitspielen. Joachim Rabe, Geschäftsführer der Singlebörse neu.de, ist der Meinung: "Online-Dating muss einfach sein, so einfach wie das tägliche Leben." Und Online-Dating ist tatsächlich einfach.

Spart Zeit, Emotionen und Enttäuschungen

Die Zielgruppe des Online-Datings sind die über 25-Jährigen, diejenigen, die "nicht die erste Erfahrung in der Liebe machen, sondern die zweite", wie Rabe erklärt. Leute, die wenig Zeit und ein ausgefülltes Leben haben, berufstätig sind, manchmal ein wenig einsam, und die sich nach Liebe und Geborgenheit sehnen. Erwartungen und Wünsche werden schon im Vorfeld abgeglichen, das spart Zeit, Emotionen und Enttäuschungen. "Realität im Turbodurchlauf" nennt der Experte diese Art des modernen Kennenlernens. Liebe im Schonwaschgang.

Schriftstellerin Barbara Sichtermann ("Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs") hält von all dem wenig. Online-Dating ist ihr "zu kuschelig und viel zu bieder". Sichtermann fehlt die Vorlaufphase - die Phase, in der noch keine Absichten gehegt werden, in der man vom anderen "einfach bewegt" ist und für die "Luft, Wind und Wetter, alles, was sinnlich ist" eine große Rolle spielen.

Auch für viele andere liegt genau dort das Problem dieser Entwicklung. Wie kann die Suche nach der Liebe einfach sein, wenn die Liebe selbst doch so gar nicht einfach ist?

Immer schon gab es Regeln für Beziehungen, für davor, für danach und für die Beziehung selbst. Doch was passiert, wenn sich mit der Evolution der Menschheit auch die Liebe, mit der Evolution der Liebe auch die Suche nach der Liebe entwickelt und verändert? Wir hangeln uns nicht mehr von Baum zu Baum, wir beharren nicht mehr darauf, dass der Mann das Geld heimbringt und die Frau das Essen auf den Tisch stellt - doch das neue Einmaleins der Partnersuche hat uns irgendwie keiner erklärt.

Auf der nächsten Seite: "Wir sollen Dating lernen? Der Herr bewahre uns!"

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