Nichtraucherschutz Raucher unter der Haube

Der Nichtraucherschutz gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Raucherkabinen könnten deshalb zum Verkaufsschlager werden. Doch es gibt Zweifel an ihrem Nutzen.

Von Moritz Koch

Das Wort Zelle hört Hubert Koch nicht gern. "Kabine", schlägt er vor. "Das ist viel treffender. Es betont den Wohlfühlcharakter."

(Foto: Foto: Koch Consulting)

Koch vertritt die Interessensgemeinschaft technischer Nichtraucherschutz, ein Verband von mittelständischen Firmen, die luftdichte Glaskästen herstellen, in denen sich Raucher eine Zigarette anstecken können, ohne Nichtraucher zu belästigen.

Koch hofft jetzt auf ein großes Geschäft. Wenn die Politik Gesetze für einen umfassenden Nichtraucherschutz in Deutschland beschließen würde und das Rauchen am Arbeitsplatz und in Gastronomiebetrieben künftig nur noch in abgetrennten Räumen erlaubt wäre, könnten die Kabinen zum Verkaufsschlager werden.

Einen ersten Schritt machte das Bundeskabinett am gestrigen Mittwoch. Es verabschiedete ein Maßnahmenpaket, das unter anderem Rauchverbote in Bundesbehörden, Zügen und Flugzeugen vorsieht. Das Gaststättenrecht ist jedoch Ländersache. Wie hier die Regelung sein wird, und ob zu es einer einheitlichen Lösung kommt, ist noch offen.

Die Raucherkabinen bieten bis zu 16 Personen Platz. An einigen Flughäfen stehen sie bereits. Ihre Wände sind aus Glas, die Vorderseite ist offen. Dort wird ähnlich wie am Eingang eines Kaufhauses ein Luftschleier aus der Decke geblasen. Dieser verhindert, dass Rauch heraus gelangt.

Ein Abzug in der Kabine erzeugt Unterdruck, der warme Qualm steigt auf, wird abgesaugt und durch ein Filtersystem geleitet. Von dort gelangt die gereinigte Luft zurück in den Raum, in dem der Raucherkasten steht.

Ablehnung bei Gastwirten

Genau darin sieht Martina Pötschke-Lange vom deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ein Problem. "Im Tabakdunst schweben etwa 70 krebserregende Gase und Partikel", sagt sie. "Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Filter nicht in der Lage sind, die Luft von allen Schadstoffen zu säubern."

Auch bei vielen Gastwirten stoßen Raucherkabinen auf Ablehnung. Denn die Geräte nehmen viel Platz weg und bedeuten Zusatzkosten. Etwa 200 Euro pro Monat beträgt der Preis in einem Leasingvertrag.

Als Alternative zu Raucherkabinen bieten einige Hersteller auch offene Filtersysteme an. Diese gibt es in allen erdenklichen Varianten, einige erinnern an Sonnenschirme, andere an überdimensionierte Bierflaschen.

Ein Anbieter, die Firma Casadron Air-Clean, stellt etwa anderthalb Meter große Säulen her, die die Luft oben einsaugen, dann durch ein Filtersystem in ihrem Inneren leiten und unten wieder auspusten.

Der Kaufpreis liegt je nach Saugkraft zwischen 400 und 1800 Euro. Casadron-Geschäftsführer Rudolf Gutmann sieht sich auf dem Markt für Frischluftgeräte gut positioniert: "Raucher wollen sich nicht in einen Verschlag zurückziehen müssen."

Doch den strengen Kriterien des DKFZ genügen die offenen Systeme noch weniger als die Kabinen.

Pötschke-Lange zitiert aus einer Untersuchung, nach der Restaurants und Kneipen, in denen geraucht wird, selbst dann nicht von Schadstoffen befreit werden, wenn die Belüftungsanlagen so stark eingestellt werden, dass der Luftzug für die Gäste belästigend ist.

Andere Studien zeigen, dass viele Anlagen in der Vergangenheit falsch montiert und schlecht gewartet wurden. Zumindest darauf aber haben die Hersteller inzwischen reagiert. Wartung und Service sind bei Kauf oder Abschluss eines Leasingvertrags inbegriffen. Außerdem verweisen einige Firmen darauf, dass ihre Geräte vom TÜV zertifiziert worden seien und internationalen Standards genügten.

Doch Pötschke-Lange bliebt bei ihrer Ablehnung. Sie weiß, dass sie in dieser Frage wichtige Verbündete hat. Zum Beispiel die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die dem Nichtraucherschutz seit Jahren hohe Priorität gibt.

Im Mai wird sie Empfehlungen für ihre Mitgliedsstaaten veröffentlichen und darin, so WHO-Sprecher Joel Schaefer, unmissverständlich festhalten: "Es gibt keine Alternative zu einer 100 Prozent rauchfreien Umgebung."