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Mein erstes Mal: Bollywood-Workout:Workout wie in Bollywood

Sinnlichkeit, dein Name ist Indien: Die Trainerin des Bollywood-Workouts bewegt sich wie eine indische Tempeltänzerin. Daneben: ein Kartoffelsack.

Viktoria Weichselgartner

Ich stehe in einer Bollywood-Kulisse. Zumindest sieht das ganz in pinkfarbene und gelbe Stoffe gehüllte Fitnessstudio so aus. Und in Bollywood wird getanzt. Getanzt. Gesungen. Getanzt.

So sieht es aus, wenn getanzt wird wie in Bollywood, und wenn ...

(Foto: Foto: oh)

"Ich werde immer bei dir bleiben." Dieser Satz gehört zum Standardrepertoire jeder Bollywood-Herzschmerz-Schnulze, wenn der muskulöse und für Freiheit und Sittlichkeit kämpfende Held der rehäugigen Effi Briest vom Ganges seine Liebe gesteht, und dabei natürlich - tanzt. Im Gegensatz zur antiken Tragödie oder dem bitteren Ende der Effi geht aber in der Symbiose aus Hollywood und Indien natürlich alles gut aus. Das ist auch meine Hoffnung für das Bollywood-Training mit Chandra Devi.

Bunter Stilmix

Wie der Name Bollywood ist auch der Tanz-Workout eine Mischung aus Traditionellem und Neuem. Im Bollywood-Tanz findet man Elemente aus dem klassischen indischen Tanz, dem orientalischen Tanz, Salsa, Mambo, Ballett und modernen Tanzformen wie Hiphop und Jazz Dance.

Besonders in Kombination mit den typischen Hüft- und Kopfbewegungen wird der Bollywood-Stil unverkennbar. Dazu kommen Elemente des Bhangra, einem Volkstanz aus Indien und Pakistan.

In die Kulisse tritt also Chandra Devi - perfekt geschminkt im pinken Bollywood-Look und mit glitzerndem Bindi auf der Stirn. Der Rest der Besetzung ist eher unkonventionell für Bollywood: Die Hausfrau von nebenan im luftigen Indien-Look, die tätowierte Schwarzhaarige im ebenso schwarzen Gothic-Fitness-Outfit und die korrekte Bankangestellte mit Brille und perfekt gescheiteltem Haar. Und ich.

"Lebe und denke nicht an morgen"

"Wir wollen keine Zeit verschwenden", ruft Chandra ganz im Sinn der Bollywood-Philosophie "Lebe und denke nicht an morgen" in den Raum. Die Trainerin platziert sich vorne, der Rest der Tanzworkout-Schar verteilt sich strategisch im Raum: Die Könner mit Indien im Blut in der ersten Reihe. Dann beginnt auch schon die Musik, zu der der Grundschritt rechts, rechts, links, links getanzt wird.

Dabei immer schön mit dem Kopf wackeln - ganz wie ein Wackeldackel. Aber: Konzentration! Die Fitness-Choreographie verzeiht keine Unaufmerksamkeit. Und schon bin ich raus und laufe fast in die Dame links neben mir.

Verstohlener Blick nach rechts vorne, da steht noch eine Anfängerin - auch sie schaut etwas hilflos drein und versucht, wieder im Rhythmus der Musik von rechts nach links zu hopsen und sich dabei so grazil wie möglich dreimal zu drehen. Bei Chandra sieht das aus wie bei einer indischen Göttin. Ich wirke eher wie ein Kartoffelsack.

Die Grundelemente des Workouts zielen hauptsächlich auf Kondition und Koordination. Nach einer kurzen Aufwärmphase - natürlich zu indischen Klängen- wird ein indisch angehauchtes Herz-Kreislauf-Training gemacht.

Das Ausdauertraining zu Musik schult vor allem die Körperwahrnehmung und durch den für Europäer eher ungewohnten Bewegungsablauf bei den indischen Tanzelementen werden Muskeln beansprucht, die man vorher höchstens als Kind beim Verbiegen an der Kletterstange gespürt hat.

Die Kunst, die Finger zu spreizen

"Die Kopfbewegung nicht vergessen!" schallt es durch den Raum. Mein Wackeldackel hat mittlerweile LSD genommen, und mir ist vom vielen Kopf hin- und herschütteln ganz schwindlig. Aber langsam beginnt es wirklich Spaß zu machen.

Das indische Gedudel reißt einen mit - da kann man es am Anfang noch so befremdlich finden. "Und jetzt die Bhangra-Hände!" Den kleinen Finger möglichst weit vom Ringfinger weg spreizen und kunstvoll hin- und herwedeln.

Ganze eineinhalb Stunden wird mit Kopf, Bhangra-Händen und Hüften gekreist, was das Zeug hält. Die anfänglichen Hemmungen, weil man als Anfänger nur mittelmäßig der Choreographie folgen kann, sind schnell vergessen, wenn einem erst mal die indischen Rhythmen in Herz und Blut übergegangen sind.

Nicht gerade anmutig läuft den Kursteilnehmerinnen nach dem Indien-Fitness-Overkill der Schweiß in Strömen herunter. Nur Chandras Bindi klebt nach wie vor perfekt mittig auf ihrer Stirn. Mit ein paar Yoga-Übungen lassen wir auf pinken Matten den Bollywood-Workout ausklingen. Und ich habe anschließend noch tagelang das Gefühl, dass ich mich viel weiblicher bewege.

Das Fazit: Der Bollywood-Workout ist ein abwechslungsreiches Ausdauertraining bei mittlerer bis hoher Belastungsintensität, das selbst Bewegungsmuffel zum Hüpfen bringt. Der Spaßfaktor wird im Vergleich zum herkömmlichen Aerobic- oder Tanzworkout durch die exotische Musik und das Bollywood-Feeling erhöht.

Ob Stress in der Arbeit, verspannte Muskeln oder ein paar Pfunde zu viel, die Trainingskombination für Kreislauf und Muskulatur ist eine gute Alternative zum normalen Sportprogramm - nicht nur für Indien-Begeisterte.

© sueddeutsche.de/bilu
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