Krebs-Studie Mehr als 330.000 Lungenkrebs-Tote in Europa

Während Deutschland und andere EU-Länder noch an Rauchverboten feilen, melden WHO-Forscher dramatische Zahlen von Todesfällen durch Tabakkonsum.

Von Marlies Michaelis

In Deutschland basteln die einzelnen Bundesländer an ihrem je einzelnen Rauchverbot, in Frankreich sollen ab Januar 2008 auch Cafés und Restaurants rauchfrei sein - doch für rund 334.000 Menschen in Europa kommen diese Pläne zu spät.

Hoffentlich die Letzte!

(Foto: Foto: AP)

Sie starben 2006 in Europa an Lungenkrebs.

Das berichten Peter Boyle und seine Kollegen von der International Agency for Research on Cancer in einer Studie, die im Fachmagazin Annals of Oncology erscheinen soll.

Die Wissenschaftler, die für die WHO arbeiten, stellten Daten der einzelnen Länder zusammen, errechneten die Gesamtanzahl der Neuerkrankungen, an Todesfällen und erarbeiteten eine Zukunftsprognose.

Für die Bundesrepublik errechneten die Wissenschaftler rund 72 Lungenkrebs-Tote auf 200.000 Einwohner - wobei die Quote bei den Männern wesentlich höher lag: Wäre etwa eine Stadt mit rund 100.000 Bürgern wie Cottbus oder Hildesheim nur mit Männern bewohnt, so hätte dies im vergangenen Jahr für 54 der Einwohner Tod durch Lungenkrebs bedeutet.

Die Überwiegende Anzahl der Lungenkrebs-Fälle sei dem Tabakrauch geschuldet, so Boyle. Es sei wichtig, die Tabakseuche besonders in Zentral- und Osteuropa mit starken und wirkungsvollen Maßnahmen einzudämmen.

Insgesamt starben laut Angaben der Forscher in den 25 alten EU-Ländern im Jahr 2006 rund 1,15 Millionen Menschen an Krebs, bis zum Jahr 2015 könnten dies rund 1,5 Millionen pro Jahr werden.

Die meisten neuen Fälle gab es beim Brustkrebs - rund 429.000 Menschen in Europa erkrankten neu daran. Das bedeutete gegenüber den Vorjahren eine Steigerung, die Boyle aber nicht auf eine tatsächlich höhere Zahl sondern auf den Anstieg von Vorsorgeuntersuchungen zurückführt.

Auch der Darmkrebs gehört zu den häufigen und sehr gefährlichen Krebsarten: 207.000 Personen starben 2006 innerhalb von Europa daran, etwa die doppelte Anzahl erkrankte neu an diesem Krebs der Verdauungsorgane.

Es sei dringend notwendig, Maßnahmen gegen den Krebs zu ergreifen, urteilte Boyle. Neben den Maßnahmen gegen Tabakkonsum nannte er das Screening von Brust, Gebärmutter und Darm als weitere Mittel gegen die unkontrollierten Zellwucherungen.