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Kindermode:Baby, du bist hip

Tatsächlich lässt es sich kaum eines der angesehenen Labels noch nehmen, unter den Signaturen Kids, Junior oder Sons, Mode für die Töchter und Söhne ihrer Kunden zu produzieren und zu vermarkten.

Kindermode Miss Blumarine

Die Kinder-Kollektion von "Miss Blumarine". Hoffentlich ist es Kunstpelz und kein knuddeliges Tierchen.

(Foto: Foto: afp)

Models mit den Maßen 40-40-40

Dementsprechend sehen die Kinder dann auch aus in den Modellen von Miss Blumarine, Richmond Junior, Dieselkids, Roberto Cavalli Angels, Ferrari Junior Collection oder Replay & Sons: Wie geschrumpfte Erwachsene, Möchtegern-Halbstarke, frühreife Staranwälte oder zukünftige Models mit den Maßen 40-40-40, was in etwa dem Umfang eines vierjährigen Mädchens entspricht. Dabei ist das durchaus gewollt.

Wer knapp hundert Euro für eine Kinderjeans von Tommy Hilfiger Kids ausgibt, kauft sich das Recht, hip zu sein und muss dafür in Kauf nehmen, dass die Hose vielleicht nicht wirklich anders aussieht als die 14,95 Euro günstige Jeans von H&M. Dem Träger wie dem Käufer jedoch vermittelt sie in jedem Fall ein anderes Lebensgefühl.

"Als meine Kinder klein waren", sagt Tommy Hilfiger, "gab es keine wirklich coolen Kids-Jacken, Shirts oder Hosen, die auch Erwachsene in größeren Größen hätten tragen wollen. Das ist heute anders. Jetzt mache ich Versionen einzelner Stücke aus der Men's und Women's Collection gleich in Minigrößen - immer mit einem Twist". Und es ist dieser Twist, der das Kind aus der Masse herauswindet.

Dabei sind auch die Jeans des allmächtigen schwedischen Modelabels H&M cool. Sehr sogar. Und es ist ein Rätsel, wie Mütter, die keinen Zugriff auf die stetig wechselnden Kollektionen von H&M haben, ihre Kinder halbwegs praktisch und gutaussehend anziehen, ohne sich für jeden Einkauf einen Kleinkredit genehmigen lassen zu müssen.

Zweiklassengesellschaft in Kindergärten und Schulen

Vielleicht aber lässt sich so erklären, wie die Zweiklassengesellschaft in deutschen Kindergärten und Schulen zustande kommt. Dort nämlich sind Morgen für Morgen folgende Spezies anzutreffen: Die ehrgeizige Mutter, die neben der neuesten Tods-Tasche auch ihr Kind als schmückendes Accessoire an der Hand hält und es comme il faut kleidet. Man gönnt sich ja sonst nichts, vor allem kein zweites Kind, und die Zeiten, in denen Mutterschaft das Ende des Sexappeals bedeutete, sind spätestens seit dem Babyboom der Supermodels, Stars und Sternchen vorbei.

Dementsprechend muss das Kind dann auch aussehen, egal, ob das karierte Kleid in Hellblau, Beige und Weiß mit Puffärmeln und Rundkragen von Best & Co auch zum Toben auf dem Spielplatz geeignet ist.

Super-Mom trifft dort aber auf die deutsche Übermutter, die sich dem Modewahn nicht unterwirft und Pullover, Hosen und Socken für ihren Nachwuchs betont nachlässig zusammenpuzzelt. Die Fotostrecken in einem Magazin wie Kid's Wear sind ihr so fremd, wie ihre eigenen Camper-Schuhe bequem sind. Sie ist eine Meisterin der Kunst, Ärmel und Hosenbeine ohne Nadel und Faden um zwei Drittel zu kürzen.

Nach außen gibt sie sich ebenso tolerant wie ihre modische Gegenspielerin, auch wenn beide sich der jeweils anderen überlegen fühlen. Dabei sind beide Mütter gleichermaßen der Beweis für die bittere Wahrheit, dass es zwischen Mode- und Markenfetischismus und No-Logo-Mentalität eines nicht gibt, wenn es um unsere Kinder geht: das Mittelmaß und eine gesunde Gelassenheit.