60 Jahre Prinz Charles Die ewige Prinzenrolle

Kein anderer wartet schon so lange auf die Krone. Er sieht sich selbst als Romantiker und gilt doch vielen nur als Weichei. Der Prince of Wales wird 60.

Mit 60 bereiten sich die meisten Menschen auf die Rente vor. Nicht Prinz Charles. Dessen Hauptberuf steht noch bevor: König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland. Doch obwohl oft als "Prinz im Wartestand" verspottet, scheint Charles vor seinem Geburtstag am 14. November mehr mit sich und der Welt im Reinen zu sein als je zuvor: Er hat seine wahre Liebe Camilla geheiratet, die Bürde von Prinzessin Dianas Tod lastet weniger schwer auf ihm und mit der Rolle als der am längsten amtierende Thronfolger des Inselreichs scheint er sich abgefunden zu haben.

Hat sich sein Leben lang auf die Rolle des Königs vorbereitet: Prinz Charles, der "ewige Thronfolger".

(Foto: Foto: AP)

Heute blüht Charles in seiner Funktion förmlich auf. Eifrig - für manche auch übereifrig - verbreitet er die Lehre vom ökologisch korrekten Leben. Von der alternativen Medizin über den Städtebau bis zum Klimawandel und Regenwaldschutz reicht sein Engagement. Statt mit pikanten Details aus der Camilla-Diana-Seifenoper macht Charles heute eher mit philosophischen Aussagen über Mensch und Umwelt von sich Reden. Dass er deshalb auch als weltfremder Träumer gilt, der gerne mit Pflanzen spricht und über moderne Architektur lästert, scheint ihn wenig zu stören. Denn im Allgemeinen rechnen ihm die Briten seinen Einsatz hoch an.

In frühen Jahren bedrückte Charles die Prinzenrolle eher. Zwar tanzten die Menschen in jener Nacht, in der er als ältester Sohn von Königin Elisabeth II. zur Welt kam, vor Freude vor dem Buckingham Palast. Charles sprach aber von einer teils unglücklichen Kindheit. Einsam, verloren und unverstanden, so habe er sich oft gefühlt. Im schottischen Internat Gordonstoun, auf das ihn sein Vater schickte, wurde er gehänselt; das strikte Regime bekam dem sensiblen Prinzen gar nicht. Eine "Gefängnisstrafe", nannte Charles die Zeit einmal.

Das Image vom weinerlichen Prinz

Später war er auf der Universität in Cambridge als Student der Archäologie und Anthropologie Objekt der Neugierde. "Mitstudenten sahen ihn als ein Phänomen, Fremde auf der Straße glotzten, Medien saßen über ihn zu Gericht", schreibt der Biograph Gyles Brandreth. Vor allem die unterkühlte Beziehung zu seinem Vater, Prinz Philip, bekümmerte Charles, wie er zum Unmut seiner Eltern mehrmals öffentlich bekannte. Als "Romantiker" bezeichnete Philip Charles, während er selbst "Pragmatiker" sei. Vielleicht haftet Charles auch wegen der Klagen über seine Eltern das Image des weinerlichen Prinzen an - böse Zungen nannten ihn auch schon ein Weichei.

Mit seiner Mutter konnte Charles Herzensangelegenheiten schwer besprechen. Dabei hätte es genug Gesprächsstoff gegeben. Das Liebesleben des Prinzen war so turbulent, dass es Klatschreporter weltweit in Atem hielt. Vor allem seine erste Ehe mit Prinzessin Diana bot Stoff für Romane. Als Charles 1981 vor den Augen von Millionen die schüchterne Diana heiratete, war die Euphorie groß. Doch die Ehe stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Charles sei kalt, entscheidungsschwach und gefühllos, monierte Diana bald. Im Gegenzug teilte sie keine von Charles' Leidenschaften: Statt den Garten umzugraben, ging sie lieber shoppen, und auch dem Reiten und der Jagd konnte die zarte Prinzessin wenig abgewinnen.

Ein Tampon auf dem Thron

Doch das eigentliche Problem war die Frau, die das Herz des Prinzen schon in Jugendjahren erobert hatte: Camilla. "Sie war eine Sucht, von der er nicht loskam; eine Besessenheit, von der er sich nicht befreien wollte"", sagte sein Ex-Kammerdiener Stephen Barry. Den Gipfel der Affäre markierte ein Vorfall, der als "Camilla-Gate" in die Geschichte eingehen sollte: 1993 wurde ein Telefonat öffentlich, in dem Charles unter anderem den Wunsch äußerte, Camillas Tampon zu sein. Um das Ansehen des Prinzen war es geschehen, ein "Tampon auf dem Thron" wollten sich viele Untertanen nicht vorstellen.

Als der Ehebruch in allen Facetten bekannt war, zerbrach Charles' und Dianas sowieso schon zerrüttete Ehe endgültig. Das Paar trennte sich 1992, vier Jahre später folgte die Scheidung - auch auf den Druck der Königin, die sich um das Ansehen des Landes sorgte. Bei den Briten sammelte Charles mit der Untreue gegenüber der vergötterten Diana keine Pluspunkte. Sein Ruf besserte sich allerdings ausgerechnet nach Dianas Tod. Nach dem Autounfall im August 1997 eilte Charles nach Paris, um seine Ex-Frau nach Hause zu geleiten. Als alleinerziehender Vater kümmerte er sich liebevoll um die beiden Söhne William und Harry, zu denen er auch heute ein gutes Verhältnis hat. Als er 2005 Camilla heiratete, kehrte Ruhe in sein Privatleben ein.

Dass Charles auch Prinzenpflichten erfüllte, ging in dem Liebes-Trubel fast unter. 20 Wohltätigkeitsorganisationen steht er vor, die meisten hat er selbst gegründet. Auch deshalb mögen ihn Gerüchte schmerzen, dass er zugunsten seines älteren Sohns William auf den Thron verzichten muss. Zwar schwärmen viele Briten mehr für den 26-jährigen William und dessen Freundin Kate Middleton als für Charles und die Ex-Diana-Nebenbuhlerin. Erst am Montag zeigte eine Umfrage, dass nur 17 Prozent der Briten eine "Queen Camilla" möchten.

Doch dass William noch vor Charles die Krone trägt und dessen Traum vom Thron platzen lässt, ist wenig realistisch. So schreibt die Journalistin und Churchill-Enkelin Emma Soames: "Niemand wird ernsthaft die lächerliche Idee unterstützen, die Verfassung zu ändern, um einen Mann zu übergehen, der sich sein Leben lang auf die Rolle vorbereitet hat."

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