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Extremsport: Downhill:Auf der letzten Rille

Neben Konzentration und körperlicher Fitness ist vor allem der Erfahrungsschatz des Bikers entscheidend. Der Grat zwischen maximaler Schnelligkeit und minimaler Sturzgefahr ist schmal - ebenso schmal wie die abgesteckte Strecke, auf der sich der Fahrer bewegt.

Marcus Klausmann

Der Mann hinter der Maske: die Schutzausrüstung soll vor Verletzungen bewahren.

(Foto: Foto: oh)

Beim Wettkampf ist diese sogenannte Linie gerade mal zwei Meter breit. Mit Geschwindigkeiten von zum Teil mehr als 100 Stundenkilometern rasen die Downhiller die ein bis drei Kilometer langen Strecken hinab - ein Profi wie Klausmann benötigt dafür je nach Länge und Schwierigkeitsgrad anderthalb bis sechs Minuten.

Um auf dieser Linie den besten Weg zu finden, muss der Biker sein Sportgerät kennen und den perfekten Umgang mit ihm gefunden haben. Beim Training, so Klausmann, sei es daher wichtig, dass man immer wieder mit dem Rad spielt, neue Linien sucht, neue Dinge ausprobiert und Bewährtes weiterentwickelt. Und es ist die Lust am Experimentieren, die jeden Sportler dazu bringt, sich selbst immer weiter zu testen, und die gerade das Training so unfallträchtig macht.

"Die meisten Verletzungen passieren beim Training", erklärt Klausmann, "weil man es da immer noch einmal und noch einmal probieren will - und weil dann eben irgendwann die Konzentration nachlässt." Ehrgeiz und Entschlossenheit bescheren den Sportlern ihren Erfolg und werden ihnen zugleich zum Verhängnis. "Die Vernunft verlieren die meisten bei der Frage: Mache ich noch eine Fahrt oder nicht?"

Geballte Kraft und pure Konzentration

Wieder geht es darum, die eigenen Grenzen und den eigenen Körper zu kennen. "Die eine Abfahrt kann noch super laufen, die nächste kommt man gerade noch den Berg hinunter. Das ist, als ob der Mann mit dem Hammer kommt - ganz plötzlich ist es vorbei. Dann muss man wissen: Jetzt höre ich auf."

Im Rausch der Geschwindigkeit hingegen verlieren die Downhiller selten die Kontrolle: "Das ist nicht wie auf der Straße, wo jeder schnell fahren kann. Beim Downhill merkt man sofort, ob man es kann oder nicht", erläutert Klausmann. Er setzt hinzu: "Ich stelle fest, dass die meisten Fahrer recht vernünftig sind."

Vielleicht ist es gerade der Zwang zur Konzentration, der diesen Sport so reizvoll macht. "Die Gedanken müssen bei der Sache bleiben - und dadurch wird die Außenwelt vollkommen ausgeschaltet."

Beim Wettkampf kommt dann all das zusammen, wofür man so lange trainiert hat - dann werden mehr als 100 Prozent gegeben, die Biker fahren "auf der letzten Rille, voll am Limit." Diese geballte Kraft, diese pure Konzentration - die kann dann auch nur einmal, nämlich am Wettkampftag, abgerufen werden.

Vom 13. bis zum 15. Juni findet in Willingen im hessischen Hochsauerland das größte deutsche Mountainbike-Event statt, das SYMPATEX BIKE Festival. Dort wird Klausmann beim Downhill-Contest "Wheel of Speed" an den Start gehen. Die Strecke beträgt 1,5 Kilometer und 218 Höhenmeter und gilt mit ihren anspruchsvollen Sprüngen und Steilpassagen als eine der schwierigsten weltweit. Das Preisgeld für den Sieger beträgt 6000 Euro.

© sueddeutsche.de/bilu
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