Extremsport: Downhill Auf der letzten Rille

Mit mehr als 100 Stundenkilometern über holprige Steige: Mountainbike-Downhiller gehen an Grenzen von Mensch und Material. Ein Gespräch mit dem zwölffachen deutschen Meister.

Von Ines Schipperges

Als Marcus Klausmann 14 Jahre alt war, bestritt er seinen ersten Wettkampf im Downhill. "Als 14-Jähriger denkt man nicht nach, man fährt einfach los und hat Spaß dabei." Das ist inzwischen anderthalb Jahrzehnte her, Klausmann ist heute zwölffacher deutscher Meister, 30 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Sohnes. Er kennt die Risiken seines Sports, hat sie am eigenen Leibe erfahren - doch eines blieb über die Jahre hinweg bestehen: der Spaß daran.

Marcus Klausmann ist Downhiller. Er wagt die gefährlichsten Sprünge - und weiß, wie schnell der Absturz folgen kann.

(Foto: Foto: oh)

Downhill, eine Variante des Mountainbiking, ist eine Extremsportart. Es geht bergab, wie der Name schon sagt: so steil wie möglich, so schnell wie möglich. Die Natur stellt dem Biker zahlreiche Fallen, auf die er bei rasender Geschwindigkeit reagieren muss. Hindernisse wie Steine, Wurzeln, loser Untergrund oder Bodenwellen erfordern vom Fahrer höchste Konzentration. Jede Strecke hat ihre Schwierigkeiten. Jede Unaufmerksamkeit hat ihre Folgen.

Marcus Klausmann weiß das. Und gerade darin besteht für ihn die Faszination dieses Sports. Er sei kein risikoreicher Fahrer, erzählt er. "Das ist noch nie mein Naturell gewesen." Er liebt die kontrollierte Geschwindigkeit und er liebt es, die Perfektion des Fahrens zu spüren. Der Reiz, der Kitzel - das ist für ihn vor allem die sportliche Herausforderung. "Natürlich gehört auch der Spaß am Risiko und am Kick dazu", erklärt Klausmann. Und fügt entschieden hinzu: "Aber für mich ist das nicht der Hauptbeweggrund."

"Man muss nicht fliegen, um zu stürzen"

Es ist der technische Aspekt, der ihn immer wieder von neuem motiviert - die Beherrschung der Strecke, der Natur, des Bikes und des eigenen Körpers. Es ist das grandiose Gefühl, Herr der Lage zu sein, was Klausmann dazu bringt, sich trotz einiger Unfälle und schwerer Verletzungen immer wieder den Berg hinunterzustürzen.

"Eine Vorliebe für den Kitzel sollte man allerdings schon mitbringen", gibt Klausmann zu. "Sonst braucht man den Sport gar nicht erst anfangen." In den letzten zwei Jahren hatte er an drei schweren Verletzungen, zwei Kreuzbandrissen und einem Halswirbelbruch, zu knabbern. "Es ist ein gefährlicher Sport, das braucht man nicht zu verschweigen - das ist einfach so."

Man wird "nachdenklicher", erklärt Klausmann. Er vermeidet das Wort Angst, stattdessen spricht er von Respekt. "Jedes Mal bedarf es einer langen Genesung, bis alles wieder in Ordnung ist. Damit habe ich momentan zu kämpfen, und daraus entwickelt sich großer Respekt. Man weiß genau: ein blöder Sturz und es geht wieder von vorne los."

Mit wirklicher Angst im Bauch würde Klausmann jedoch niemals auf sein Rad steigen. Er gehört zu den Menschen, die mutig genug sind, zu ihrer Angst zu stehen. "Wenn ich Angst habe, dann fahre ich nicht - dann lasse ich es lieber." Der Mountainbiker weiß genau, dass nichts wichtiger ist, als die eigenen Grenzen zu kennen: "Man darf auch aufhören, wenn man nicht mehr kann. Dafür braucht man sich nicht zu schämen."

Andere mögen ihn für verrückt halten, doch er wendet ein, dass ein gewisses Risiko normal ist, dass man sich auch beim Fußballspielen das Kreuzband reißen kann und dass beim Sport immer Verletzungen passieren werden. "Diese Dinge gehören dazu", sagt Klausmann gelassen. Und: "Man muss nicht fliegen, um zu stürzen."

Leistung auf den Punkt genau

Marcus Klausmann ist einer der erfolgreichsten deutschen Mountainbiker. Er ist ein Profi, mit echter Leidenschaft für seinen Sport. Zugleich wirkt er auf eine besonnene Art und Weise abgeklärt, souverän und zuverlässig. Wie einer, der weiß, was er will - und niemals leichtfertig handelt.

Seine Ruhe kommt nicht von ungefähr. Neben den 25 Stunden wöchentlichen Trainings - Kraft, Kondition und Technik - trainiert Klausmann auch seinen Geist. Beim mentalen Training übt er sich in Entspannung und Konzentration, in Coolness und Gelassenheit. Mit seinem persönlichen Mentalcoach bespricht er die Probleme während des Wettkampfes. Gemeinsam entwickeln sie Konzepte zur Verbesserung der Leistung. Zu den mentalen Übungen gehört auch das autogene Training, "um ruhig zu werden und locker zu bleiben", wie Klausmann erklärt.

Der Kopf spielt beim Downhill eine "ganz, ganz große Rolle". Auf den Punkt genau müssen die Fahrer ihre Leistung abrufen. "Man fährt auf maximalem Niveau, mit der maximalen persönlichen Geschwindigkeit. Dafür braucht es große Portionen an Konzentration, damit man bei der Sache bleibt und dementsprechend versucht, die Aufgabe so gut wie möglich zu meistern."

Auf der nächsten Seite: Was passiert, wenn der Mann mit dem Hammer kommt ...

Auf dem Sprung

mehr...