Ernährung Schluss mit süß und fettig

Verbote sollen Schüler zu gesunder Ernährung zwingen: Die Jugendlichen dürfen sich keine Pizza mehr in die Schule kommen lassen.

Von Tanjev Schultz

Auf die sechste Schulstunde folgte die Pizza-Pause. Ganze Klassen des Gymnasiums Brede im westfälischen Brakel bestellten sich erst einmal eine Margherita, anschließend ging es mit vollen Bäuchen zum Nachmittagsunterricht. Zwar bieten ehrenamtlich arbeitende Eltern den Jugendlichen in einer Cafeteria Brötchen und Salat an, aber immer mehr Schüler orderten lieber beim Pizza-Express.

Schulleiter Friedhelm Molitor sagt es so: ,,Da ist ein richtiger Kult entstanden.'' Den will er nun nicht mehr dulden. Nach einem Beschluss der Lehrerkonferenz dürfen sich die Schüler kein Fastfood mehr in die Schule liefern lassen. Täglich Pizza zu essen, sei schädlich, die Lehrer trügen schließlich auch Verantwortung für die Gesundheit der Schüler.

In Deutschland sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren zu dick. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts sind sechs Prozent sogar fettleibig. Falsche Ernährung gefährde nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit und damit den Erfolg in der Schule, warnt der Paderborner Ernährungswissenschaftler Helmut Heseker.

Jeder zehnte, in armen Vierteln jeder dritte Schüler, komme ohne Frühstück in den Unterricht. Ihren Heißhunger stillen sie dann mit Schokolade, Döner oder Würstchen. Noch immer böten viele Hausmeister im Schulkiosk überwiegend Ungesundes an, sagt der Ernährungsexperte. Und die gute alte Schulmilch, diese ,,schöne Calcium-Quelle'', gebe es nur noch selten, stattdessen griffen die Jugendlichen zu süßen Limonaden.

Mittlerweile haben auch Pädagogen diese Probleme im Blick. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), in dem viele Grundschullehrer organisiert sind, widmete der Ernährungserziehung kürzlich einen Kongress. Nach der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre müssen sich Oberstudienräte ebenfalls Gedanken über die richtige Verpflegung machen. Gymnasiasten haben nun vermehrt Unterricht am Nachmittag, den Schulen fehlen aber Kantinen.

Mengenrabatt und Müll-Berge

Am Königin-Mathilde-Gymnasium in Herford einigten sich Lehrer, Eltern und Schüler deshalb auf ein Angebot von Tiefkühlmenüs. Deren Nährwerte seien recht gut, sagt die Direktorin Christa Wille-Möller, und die Auswahl sei groß. Es gibt Fisch, Fleisch, Pasta, auch Pizza. Dennoch bekam Wille-Möller das gleiche Problem wie ihr Kollege in Brakel: Immer mehr Schüler riefen ein Pizza-Taxi, es gab Mengenrabatt.

Anschließend sollen sich ,,gewaltige Müllberge'' aufgetürmt haben, Pizza-Kartons hätten in den Beeten gelegen und Ungeziefer angelockt. Dem mochte Wille-Möller nicht länger zusehen, auch sie hat jetzt die Fastfood-Lieferanten vom Gelände verbannt. Das Schulministerium in Düsseldorf stellt sich hinter die Schulen. Sie sollen die Freiheit haben, derartige Probleme selbst zu lösen, sagt ein Ministeriumssprecher. Einen landesweiten ,,Pizza-Erlass'' werde es nicht geben.

In Großbritannien hatte die Regierung im vorigen Jahr dem fettigen Essen in Schulen den Kampf angesagt. Sie ließ Pommes und Burger von den Speiseplänen streichen. Daraufhin klagten Kantinen über einen Rückgang der jungen Kundschaft, in Rotherham protestierten Mütter: In der Pause nahmen sie Bestellungen entgegen und brachten ihren Kindern das gewünschte Fastfood.

Deutsche Pädagogen hätten ,,einen neuen Auftrag'', sagt der Vorsitzende des Lehrerverbands VBE, Ludwig Eckinger. Die Schulen müssten ein gesundes Leben lehren.