Eine kleine Warenkunde Ein Gin kommt selten allein

Die Objekte der Kolonisation blieben selbstverständlich vom Genuss ausgeschlossen: Afrikanischen Soldaten des britischen Heeres war es nicht gestattet, Whisky oder Gin zu trinken. Um die Schwarzbrennenei in Grenzen zu halten, produzierten die Kolonialherren sogenannten war-gin: aus Bananen und Hirse gebrannten Fusel mit Wacholderaroma, der bald zu Waragi suahelisiert wurde. Noch heute wird in Kampala die sehr erfolgreiche Marke Uganda Waragi abgefüllt (im 100ml-Plastikbeutel), die auch nicht schlechter schmeckt als europäische Discounterware.

Im Gegensatz zu anderen Spirituosen wird Gin nur selten pur getrunken, als Cocktailbasis ist er umso beliebter. Eine ganze Reihe von Genre-Klassikern wird mit Gin zubereitet, allen voran der Fixstern der Bar, der Martini Cocktail. "Den größten Beitrag Amerikas zur Weltkultur" nannte ihn der US-Autor Bernard De Voto. Doch nicht einmal die beinahe religiöse Inbrunst, mit der man sich der Entwicklung des perfekten Martini-Rezeptes und dessen ritueller Zubereitung hingab, konnte verhindern, dass die große Wodka-Welle der vergangenen 30 Jahre auch den Martini mit sich riss. Gin galt nun als antiquiert, die Verkaufszahlen gingen in den Keller. Nach Jahren des Stillstandes soll die Kategorie jetzt wiederbelebt werden, und das, so glaubt man, geht am Besten, wenn Gin sich dem Wodka geschmacklich annähert.

Tatsächlich ist Wacholder zwar die dominante Geschmackskomponente im Gin, aber eben nur eine von mehreren. Auch Koriander, Ingwer, Angelikawurzel und Lakritze - um nur einige zu nennen - kommen hier zum Einsatz. Das Mischungsverhälnis dieser sogenannten Botanicals ist variabel und lässt genügend Spielraum, um dem Publikumsgeschmack entgegenzukommen. Wer mit all dem überfordert ist, der halte sich an Steinhäger, den westfälischen Wacholder-Knaller in der Kruke aus dem Haus Schwarze Schlichte. Prost.

Das kleine ABC des Gins

Bafferts: englische Premiummarke, die sich mit dem Slogan "Der Gin, der auch Wodka-Trinkern schmeckt" blamiert.

Beefeater: die große alte Marke aus London, einst Haus-Gin von Queen Mum und noch heute für viele Cognoscenti die einzig wahre Martini-Basis; neben der Standardversion gibt es von Beefeater noch einen herrlich altmodischen Crown Juwel mit 50 Vol.-% und den lächerlich neumodischen Beefeater Wet mit fiesem Birnenaroma.

Blackwood: eine neue Marke aus Schottland; Wacholder schmeckt man hier nur noch mit gutem Willen heraus; im Vordergrund stehen dezente Ingwer- und Koriandernoten.

Bombay Sapphire: die massive Kampagne, mit der Bombay seit einigen Jahren beworben wird, brachte den Gin-Markt ordentlich in Schwung. Beim Publikum ist die Marke beliebter als bei Barkeepern, die noch immer sauer darüber sind, dass der Alkoholgehalt vor einigen Jahren stillschweigend von 47 auf 40 Vol.-% heruntergesetzt wurde.

Gordon's: der internationale Spitzenreiter mit wenig Alkohol (37.5 Vol.-%); ordentliche Konsensware, ganz im Gegensatz zum neuen Gordon's Distiller's Cut mit seinem irritierendem Erfrischungstuch-Aroma.

Hendrick's: ein gelungenes Beispiel für modernen Gin im Wodka-Stil: die Verwendung von Gurken und Rosenblattessenzen verleiht diesem Gin eigenwillige Frische. Hendrick's-Drinks sollen grundsätzlich mit Gurke garniert werden, sehr smart.

Juniper Green: ja, es gibt auch Öko-Gin.

Old Raj: alte Schule mit intensivem Wacholderaroma und deutlich alkoholischem Unterbau (55 Vol.-%).

Plymouth Navy Strength (57 Vol.-%): mit dieser Marke begann die Marine-Karriere des Gin; Plymouth ist unverzichtbar für die Zubereitung eines Pink Gin, gibt aber auch einen sehr soliden Martini ab.

Saffron: die orangene Färbung der Marke lässt Schlimmes ahnen - Fehlalarm, dieser samtweiche Gin schmeckt tatsächlich nach Safran.

Tanqueray: der Erzrivale von Beefeater, was die Martini-Tauglichkeit angeht, sehr maskulin; die Super-Premium-Version Tanqueray N°. 10 macht gerade Furore an den schicken Tresen dieser Welt.